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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

114

Haupt.

Quellen  können  geschöpft  haben  und  deshalb  in  der  Darstellung
übereinstimmen,  liesse  sich  wohl  hören,  1  da  man  weiss,  wie
Jaeobus  a  Voragine  seine  Quellen  geradezu  wörtlich  ausschreibt, ­
  nur  lässt  sich  dagegen  ein  Beweis  erbringen,  der
unwiderspreehlich  ist.  Wie  kommt  es,  dass  der  Dichter  des
Passionais  am  Schlüsse  der  Legenden  allemal  dieselben
Wunder  erzählt,  die  auch  Jaeobus  a  Voragine  hat?  Bei  der
grossen  Masse  von  solchen  Wundergeschichten  für  jeden  einzelnen
Heiligen  soll  der  deutsche  Dichter  und  der  italienische  Legendenschreiber, ­
  beide  von  einander  unabhängig,  genau  immer  dieselben ­
  ausgewählt  und  genau  in  derselben  Folge  erzählt  haben?
Eine  solche  Wahlverwandtschaft  zweier  Seelen  ist  ganz  unmöglich ­
  und  der  Beweis  zu  Gunsten  des  Jaeobus  a  Voragine
ist  vollkommen  erbracht  durch  diese  Thatsache,  um  so  mehr,
als  der  Dichter  des  Passion  als  von  allen  jenen  Heiligen
keine  Gnadenerweisungen  zu  erzählen  weiss,  die  auch  bei  J  acobus
  a  Voragine  leer  ausgegangen  sind.
Die  sämmtlichen  Legenden  des  dritten  Theils  des  Passionais ­
  mit  den  treffenden  der  Legenda  Aurea  hier  zu  vergleichen, ­
  hiesse  wirklich  nur  das  Papier  verschwenden,  es  werden ­
  die  ersten  25  von  72  genügen.  Bei  jeder  Legende,  die
mit  0  bezeichnet  ist,  fehlen  die  Wunder.
Passional.  Leg'enda  aurea.
I.  Von  sante  Nicolao  19,  14—  III.  De  sancto  Nicolao  8,  9,
Cap.  25,43.  ,  10,  11,  12.
II.  Von  sante  Lucien  0.  IV.  De  sanctaLucia  virgineO.
HI.  Von  sante  Anastasien  0.  VII.  De  sancta  Anastasia  0.
IV.  Von  sante  Stephano.  VIII.  De  sancto  Stephano.
CXII.  De  inventione  sancti  Stephani ­
  protomartyris.
Hier  haben  wir  das  erste  Beispiel,  wie  der  Dichter  des
Passionais,  was  Jaeobus  a  Voragine  wegen  der  ganz
kirchenkalendarischen  Ordnung  seines  Werkes  auseinander  riss,
wieder  zusammenzufügen  sucht.  Zum  Schlüsse  werden  erzählt
die  kleinen  Wunder  und  beide  berufen  sich  auf  den  h.  Augustinus.
1  Auch  Gervinus  Geschichte  der  deutsch.  Dicht,,  5.  Auf.  Bd.  II.  S.  107,
tritt  Köpke’s  Meinung  bei  und  redet  von  gemeinschaftlichen  Quellen  beider.
            
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