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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  das  mitteldeutsche  Buch  der  Väter.

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unter  den  vielen  bekannt  geworden  ist,  die  über  das  XIV.  Jahrhundert ­
  zurück  ginge.
Gegen  diesen  Mitbewerber  steht  der  Dichter  des  Passion ­
  als  noch  in  einem  ganz  anderen  feindlichen  Gegensätze  als
nur  in  dem  eines  überlegenen  Geistes  gegen  einen  sehr  untergeordneten ­
  Kopf.  Es  ist  keine  Frage,  dass  in  jenen  Zeiten,
wo  jeder,  der  einen  lateinischen  Text  oder  einen  ,wälschen‘  in
deutsche  Verse  übertrug,  unverwendeten  Blickes  auf  das
jBuclü  sah,  der  Verfasser  des  Buch  der  Märterer  viel  mehr
Beifall  finden  musste,  da  er  in  jeder  einzelnen  Geschichte  leicht
zu  controliren  war,  als  der  Dichter  des  Passionais,  dem  man
seine  lateinischen  Quellen  nicht  so  bequem  naehzuweisen  vermochte. ­
  Dennoch  hat  auch  dieser  Dichter  keine  andere  Quelle
für  die  drei  Theile  des  Passionais  gehabt,  als  eben  des
Jacobus  a  Voragine  Legenda  aurea.  Es  ist  dies  schon  öfters
für  einzelne  Legenden  schüchtern  behauptet  worden,  z.  B.  von
W.  Grimm  zu  der  vom  Papste  Silvester  in  Konrat  v.
Würzburg  Silvester  p.  XIV  aber  eben  so  oft  widersprochen;
auch  Köpke  kommt  S.  IX  darauf  zu  reden  und  schreibt:  ,Eine
umfassende  Erforschung  der  von  ihm  benutzten  Quellen,  die
ihren  Ursprung  ohne  Zweifel  hinsichtlich  der  Leben  der  Apostel
in  den  jetzt  zum  Theil  zuerst  durch  Tisch  endo  rf  bekannt
gemachten  Actis  apostolorum  apocryphis  haben,  lag  nicht  in
meinem  Plane,  nur  eine  Vergleichung  der  Legenda  aurea  des
Jacobus  a  Voragine  bot  sich  durch  die  von  Grässe  besorgte ­
  neue  Ausgabe  zu  leicht  dar,  um  nicht  angestellt  zu  werden.
Die  Uebereinstimmung  ist  augenfällig,  dennoch  aber  würde  der
Schluss,  der  Dichter  habe  aus  dieser  Quelle  geschöpft,  nicht
gerechtfertigt,  denn  beide  können  ihre  Nachrichten  denselben
Quellen  entnommen  haben  und  daher  auch  in  einzelnen  Zügen
ihrer  Darstellung  auffallend  übereinstimmen.  Eine  Aeusserung
des  Dichters  scheint  auch  diese  Vermuthung  zu  bestätigen,
denn,  wenn  das  Werk  des  Jacobus  a  Voragine  als  ein
vollendetes  Ganze  zur  Benutzung  ihm  vorlag,  hätte  er  wohl
nicht  in  der  Nachrede  zum  Schlüsse  des  ganzen  Werkes  ausdrücklich ­
  sagen  können,  dass  er  die  drei  Bücher  nicht  ane
grozen  ummesuch  vollbracht  habe.
So  Köpke.  Die  Erklärung,  dass  beide,  der  Dichter  des
Passionais  und  Jacobus  a  Voragine,  aus  denselben
Sitzli.  d.  pliil  -hist.  CI.  LXIX.  Bd.  U.  Hft.  8
            
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