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Haupt.
Damit sind die Fälle, wo beide Werke stückweise in den
Hss. sich nebeneinander finden, wohl kaum erschöpft, die angeführten
genügen aber vollkommen, um wenigstens den einen
der Mitbewerber unseres Dichters zu erkennen. 1 Es ist kein
Zweifel, dass das Buch der Märterer bei weitem grösseren
Beifall bei den Zeitgenossen gefunden hat, als das Passional,
das lässt sich erklären. An Geist und Wissen, an Sprache
und Kunst steht der Verfasser des Buches der Märterer
tief unter dem des P a s s i o n a 1 s, er ist eigentlich ein stumpfsinniger
schwäbischer Reimer, der seine lateinische Vorlage,
des Jacobus a Voragine Legenda aurea, schwerfällig genug
in’s deutsche zu übersetzen trachtete. Schon der Titel seines
Buches ist nur eine untreffende Uebersetzung und Verwendung
des lateinischen Martyrologium, denn er hat auch Heilige, und
zwar in grosser Zahl, behandelt,, die keine Märtyrer waren,
sondern nur Busser oder Einsiedler, Bischöfe und Kirchenlehrer.
Wie wenig er bewandert war in der Geschichte der
Heiligen, sieht man auch daraus, dass er zum 16. April,
an welchem Tage der h. Eustachius von Ferentino gefeiert
wird, die Geschichte vom Eustachius oder Placidus dem
Feldherren Trajans erzählt, dessen Tag der 20. Sept. nach
der kirchlichen Ordnung eigentlich ist. Von seinen vielfachen
Irrthümern gegenüber seinem lateinischen Texte ist hier nicht
der Ort, Proben zu geben. Das Buch der M ä r t e r e r fällt
in die erste Hälfte des XIV. Jahrhunderts, da die Kloster-Neuburger
Hs. ,Anno Domini MCCCL in vigilia exaltacionis
sancte crucis ceptus est iste über,' wie es in der Schlussschrift
ausdrücklich bezeugt wird, ,et in vigilia pasce anni subsequentis
finitus cum adiutorio omnipotentis per me Hartmanum de Krasna
tune temporis ecclesie niwenburgensis custodem/
Einige Jahre früher, als diese Abschrift gefertigt wurde,
muss das Werk gedichtet sein, und somit war es dem Passional
gleichzeitig in Angriff genommen, von dem so wenig als von
dem Buche der Väter auch nur eine einzige Hs. bis jetzt
1 Ich behalte mir vor, auf (las Buch der Märterer demnächst zurück
zu kqmmen, alle Legenden daraus, so viel ich deren habhaft werden
konnte, nachzuweisen und einige zertrümmerte Hss. bekannt zn machen.
Ich kenne deren bisher vier, alle auf Pergament, so dass recht deutlich
die weite Verbreitung des Werkes in die Augen springt.