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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

„
Ueber  das  mitteldeutsche  Buch  d,er  Väter.  in
i
vorgebracht  wird,  muss  vielmehr  auf  die  Sprache  des  Dichters
zurückgeführt  werden.  Diese  Sprache  hat  er  sich  selbst  gebildet ­
  und  zwar  zumeist,  wo  nicht  ausschliesslich,  an  den  drei
alemanischen  Dichtern  G  o  t  f  r  i  d  von  Strassburg,  Rudolf
von  Emse  und  ganz  vorzüglich  Konrat  von  Würzburg.
Es  gibt  eine  Legenden-Sammlung  in  Reimen,  die  sich
nicht  nur  mit  dem  Buche  der  Väter,  sondern  auch  mit  dem
Passion  al  berührt.  Es  ist  das  Buch  der  Mär  t  er  er,  das  in
zwei  Hss.,  der  Kloster-Neuburger  (Altd.  Bl.  2,86)  und  der
Heidelberger  342  (s.  Wilken  S.  428)  enthalten  ist,  aber  in
keiner  vollständig.  Dieses  Buch  der  Märterer  muss  gleichzeitig ­
  mit  dem  Buche  der  Väter  und  dem  Passional  verbreitet ­
  worden  sein.  Beide  laufen  in  den  Hss.  nebeneinander
und  durcheinander.  So  gehören  in  der  Hs.  2677  der  k.  k.  Hofbibliöthek
  die  Mar  i  en  1  eg  ende  n  auf  Bl.  l a —26 b  in  das  Passional, ­
  dagegen  sind  aus  dem  Buche  der  Märterer  die
fünf  Legenden  von  der  h.  Verena, 1  Catharina,  Lucia,
Margaretha  und  Brigitta  auf  Bl.  106"—119". 2  In  der  Hs.
2779  derselben  kaiserlichen  Sammlung  sind  wieder  aus  dem
Passional  die  fünf  Marienlegenden  auf  Bl.  l b —2”  und  90" b  genommen, ­
  aus  dem  Buche  der  M  ä  r  t  e  r  e  r  dagegen  stammt  das
Gedicht  von  der  Auffindung  des  h.  Kreuzes  auf  Bl.  88 b  —
89 b ,  3  diesem  geht  voran  auf  85 a  —  89 b  das  Gedicht  von  den
Siebenschläfern  aus  dem  Buch  der  Väter.  Einzelne
Legenden  aus  dem  Buch  der  Märterer  sind  in  der  Stuttgarter ­
  Hs.  poet.  s.  n.  4°.  Mone.  Anzeiger  VII,  287,  so  die
des  Eustachius  oder  Placidus  (vom  Dichter  fälschlich
Placidas  gereimt), 4  die  des  Sebastian  und  der  Siebenschläfer. ­
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1  Diese  Legende  ist  jetzt  aus  dieser  Hs.  gedruckt  in  ,Rochholz,  Drei
Gaugöttinnen 1  .  .  Leipzig,  1870.  8°  S.  108  —  112.
2  Diese  fünf  Legenden  sind  somit  als  selbständige  Werke  zu  streichen  in
Goedeke,  D.  M.,  78,  1,  2  und  3,  S.  22G,  ferner  in  allen  —  deutschen
Literaturgeschichten.
3  Diese  Legende  ist  gedruckt  aus  dieser  Hs.  in  Massmann  Eraclius,
S.  194—198.
4  Damit  ist  die  Vermutliung  Goedekes,  dass  dies  der  Eustachius  des
Rudolf  von  Emse  sei,  widerlegt,  1.  c.  80,  S.  228.
5  Damit  ist  die  Frage  Goedekes,  1.  e.  82,  2,  S.  229,  beantwortet.
            
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