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Haupt.
Er kann dichten, so bekennt er von guten Leuten, ohne
dass er vermöchte, ihr Leben nachzuahmen; er entzünde ein
Feuer, das noch manche Sünde schwenden wird, er selbst aber
ist in dem Feuer kalt, es ist Feuer auf dem Eise! In diesem
Bekenntnisse bricht wieder der Zwiespalt zwischen dem weltlichen
dichterischen ,Sinne' des Dichters und seinem Stoffe
auf’s deutlichste hervor, trotzdem aber ist der Dichter überzeugt,
dass sein Werk mit voller Kraft auf andere wirken
werde, wenn auch ihn die Gluth seiner Erzählungen zu erwärmen
nicht vermag. Diese Selbstbekenntnisse sind um so
merkwürdiger und fallen um so schwerer in die Schale, als
dergleichen in allen drei Büchern des Passionais nirgend
Vorkommen, da hat er schon die vollkommene Sicherheit und
Ruhe der Seele, die ihn auch keinen Augenblick gegenüber
seinen Gegnern verlassen. Im Buch der Väter ringt der
Dichter noch nach dem Durchbruch der Gnade, im Pass io na 1
ist er der göttlichen Gnade schon gewiss. 1
Aus diesen Selbstbekenntnissen geht mit unzweifelhafter
Gewissheit hervor, dass das Buch der Väter vor dem Passion
a 1 gedichtet wurde, was oben aus anderen Gründen schon
als unabweisbar sich aufgedrungen hat.
2. Ich habe schon oben der Stelle gedacht, in welcher
sich der Dichter verwahrt, schon gethane Arbeit wieder zu thun :
Ob lihte anderswä nu hat
ieman diz buch getihtet und in dütscli berihtet
des enkan ich wizzen niht . .
und auf den Barlaam hingewiesen. Den Barlaam Rudolfs
von Emse hat der Dichter gekannt, wie Zingerle (Sitzungsberichte
Bd. LXIV. S. 154 ff.) gezeigt hat. Es finden sich im
Barlaam Rudolfs und im Buch der Väter sogar einzelne
gleichlautende Verse. Ob ihm die übrigen Werke Rudolfs
bekannt waren, steht dahin; so ganz gewiss ist es nicht, als
man zu glauben scheint; vieles von dem, was zum Beweise
1 Mit dieser Stelle vergleiche man im h. Ignatius Passional ed. Köpke
Nr. 15 108, 1 — 79, um den Unterschied der ringenden und der ruhenden
Seele des Dichters zu gewahren.