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Haup t.
minem herren zu lobe: mich hat ir luge und ir elobe
bestricket leider also vil daz ich ez immer clagen wil,
und durch die bezzerunge sal ü hie min zunge
mit wärheit beduten von den guten luten . . 1
Er stellt mit diesen Worten die geistlichen als die wahrhaften
Mären den weltlichen als den erlogenen gegenüber und
dichtet diese wahrhaften seinem Herren zu Lobe, der ihm den
Sinn oder, wie wir sagen würden, den Gleist darauf gerichtet
hat, nur an den Mären leben zu können. Wie scharf ausgesprochen
musste der dichterische Sinn des Mannes sein, der
damals bis zu dieser klaren Selbsterkenntniss sich durchrang,
nur in den Mären oder nach heutigem Sprachgebrauch in den
Dichtungen, in der Kunst leben zu können!
Wahrlich, er hat nicht zu viel gesagt. Von allen den
Dichtern aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, ob
geistlichen ob weltlichen, ist er der einzige, der zu erzählen
im Stande ist, wie das jede Seite der drei Bücher des Passionais
oder der kleineren Legenden im Buch der Väter
überzeugend beweist. Nur zur Busse konnte er es unternehmen,
das Chaos der Vitae patrum zu bearbeiten. Wie
schwer cs ihm aber geworden ist, in diesem Gerolle von geistlichen
zwar aber oft sehr geistlosen Aneedoten seinen auf
Handlung, Darstellung, Charakteristik gerichteten Geist zu
verläugnen, auch dafür lässt sich eine köstliche Stelle boibringen
aus dem Buch der V ä t e r.
Mitten unter den geistlichen Aneedoten steht sie und ist
deshalb um so merkwürdiger.* Nachdem der Abt Silvauus
einem Bruder, der nicht arbeiten wollte, das Leben Marthas
und Marias erläutert hat und damit schliesst, dass mancher
mit ,kahler innekeit' Marias Leben erwähle, um nur nicht
arbeiten zu dürfen, bricht der Dichter in die Klage aits:
1 Diese Stelle erinnert sogar im Ausdrücke an jene Kudolfs von Emse
in der Vorrede zum Barlaain. Dieselbe lautet (ed. Fr. Pfeiffer) 5, 10 ff.
,icli hän daher in minen tagen leider dicke vil gelogen und die liute
betrogen mit triigelieken maeren: ze tröste uns sündaeren wil ich diz
maere tikten durch got in tiusclie berihten, und bite swer diz maere
lese, daz er sich bezzernde wese mit staete an dem gelouben sin und
durch got gedenke min vil armen siindaeres. 1