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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 69. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  das  mitteldeutsche  Buch  der  Väter.

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jedoch  gut  sei,  denjenigen  um  eine  Märe  oder  Erzählung  zu
bitten,  der  bei  ihnen  ist,  ob  sie  nun  bei  der  Glut  sitzen  oder
auch  anderswo,  dem  dann  alle  schweigend  zuhören.  Wie  nun
die  Menschen  beschaffen  seien,  wornaeh  des  Mannes  Leben
stehe,  daliin  strebe  er  und  suche  sich  Käthes  zu  erholen  in
den  Mären  oder  Erzählungen:  eitle  wollen  nur  solche  von
Eitelkeit  hören,  der  seligen  Rotte  behagen  aber  nur  solche  von
Gott  und  guten  Leuten.  Da  bricht  der  Dichter  aus  in  die
merkwürdigen  Worte,  die  wiederholt  zu  werden  vollauf  verdienen ­
  :
A
O  we  ich  muz  bekennen  von  wärheit  benennen
daz  ich  von  den  iteln  einer  bin.  daz  sprech  ich  niht  üf
den  sin
der  demut,  nein  ich!  werlich  an  wärer  schult  begrife  ich
mich
daz  ich  bin  üz  der  iteln  rote.  nu  wil  ich  gerne  buzen  gote
und  durch  der  buze  willen,  ob  ir  wolt  wesen  stille,
ft  guter  mere  sagen  vil  der  ich  doch  keine  machen  wil.
Nach  diesen  Worten,  die  er  buchstäblich  genommen  wissen
will,  nicht  aber  als  fromme  Phrase  ,ftf  den  sin  der  demut',
wie  sie  sonst  bei  den  übrigen  geistlichen  Dichtern  in  der
Regel  zu  verstehen  sind,  war  auch  er  einer  aus  der  ,iteln
rote',  die  sich  an  weltlichen  Mären  ergötzten  und  ihrem  Weltsinne ­
  darin  schmackhafte  Nahrung  suchten.  Hier  sind  scheinbar ­
  zwei  Auslegungen  möglich:  die  eine,  dass  er  nur  gleich
anderen  seine  Lust  in  den  weltlichen  Mären  fand,  und  die
zweite,  dass  er  selbst  auch  solche  gedichtet  habe.  Ich  halte
blos  die  zweite  Auslegung  für  die  richtige,  weil  er  zur  Busse
jetzt  nur  ,gute  mere'  sagen  will,  deren  er  keine  macht  oder
erfindet.  Würde  man  die  erste  Auslegung  annehmen,  so  entbehrte ­
  dieser  Nachsatz  eigentlich  allen  Sinn  und  Nachdruck.
Damit  aber  nicht  jemand  den  Einwand  erheben  kann,
der  Dichter  wolle  blos  für  das  Anhören  der  weltlichen  Mären
während  seiner  eiteln  Zeit  jetzt  Busse  thun  durch  das  Dichten
geistlicher  —  auch  dafür  hat  der  Dichter  gesorgt  in  der  Vorrede ­
  zum  Buch  der  Beispiele.  Er  sagt  dort  ausdrücklich:
59 d 151  Swie  mir  der  sin  dar  ftf  giht.
den  mir  got  hat  gegeben  des  wil  ich  an  den  meren  leben
            
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