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Haupt.
ein klares, durchsichtiges Werk zu bilden. Dass er dergleichen
beabsichtigt hat, sieht man deutlich an seinem h. Antonius,
den er offenbar als den Stifter und Erzvater des Lebens in
der Thebaide auch als Musterbild jeder eremitischen und
geistlichen Tugend darstellen wollte.
Wir wissen bereits aus dem Passional, mit welcher
Meisterschaft der Dichter zu erzählen weiss, wenn ihm eine
wirklich zu bewältigende Aufgabe gesetzt ist, das heisst wenn
ihm eine Geschichte vorliegt im Sinne der alten und neuen
Aesthetik, nämlich eine Handlung oder eine Reihe von Handlungen,
die wohl motivirt in sich Zusammenhängen. An mehr
als einer Legende des Passionais lässt sich zeigen, mit
welcher Ueberle.genheit er die Risse und Sprünge seiner kirchlichen
Vorlagen auszufiillen weiss, wie er überall mit feiner
Seelenkenntniss das unwahrscheinlichste dieser mehr frommen
als sinnreichen Erfindungen wahrscheinlich zu machen versteht,
wie er die inneren Vorgänge in den Seelen seiner Heiligen
und Einsiedler, sogar noch uns, klar darzulegen und begreifbar
vorzustellen im Stande ist. Mit dieser Gabe steht er unter
den geistlichen Dichtern nicht nur seines Volkes und seiner
Zeit allein da. Man vergleiche doch die zum Verzweifeln
stumpfsinnigen Syrer und Byzantiner, welche diese geistlichen
Anecdoten zusammengeschrieben haben. Auch Gervinus preist
ihn darum und wegen anderer Eigenschaften, die dem Dichter
eigen, und betont mit Recht besonders, mit wie merkwürdigem
Verständnisse der Dichter die inneren Wandlungen und
Umwandlungen, die Studien und das ganze geistige Leben des
h. Augustinus darzustellen weiss.
Nicht ohne Ursachen war er dessen so meisterlich fähig;
der Dichter hat einen ähnlichen Weg genommen wie der
Kirchenvater, und spricht aus eigener Erfahrung und daher
mit dem vollsten und reichsten Verständnisse einer Seele, die
aus dem Abgrunde des gemeinen Treibens der grossen Welt
und guten Gesellschaft sich zum Anschauen der himmlischen
Weisheit gereinigt und empor geschwungen hat.
Er selbst war früher ein weltlicher Dichter, bevor er ein
geistlicher wurde, wie wir oben in der Vorrede zum Buch
der Väter 1,150— 1,160 gesehen haben. Daselbst sagt er
ausdrücklich, wie die Leute eine Gewohnheit hätten, welche