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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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Wein  hold.

strömt,  über  welchen  eine  Brücke  führt,  die  nur  die  Todten
betreten. 1  Ein  Brückenwart  fordert  den  Zoll  von  ihnen,  der
einer  älteren  Vorstellung-  von  dem  Fährg-roschen  entspricht,
welcher  dem  Fährmann  über  den  Unterweltsstrom  gegeben
werden  muss. 2  Die  Volkssage  hat  die  Ueberfahrt  über  den
Todtenfluss  an  manche  deutsche  Flüsse,  namentlich  an  den
Rhein  versetzt.
Auf  der  unterweltlichen  Wiese  stehen  Obstbäume,  deren
Genuss  bezaubernde  Wirkung  übt. 3  Es  weiden  auch  dort
Viehheerden,  namentlich  Sauheerden, 4  denn  das  Schwein  ist
das  Thier  der  Erde.  Auch  Hunde  und  Wölfe  sind  Unterweltsthiere,
  und  der  Hund  ist  im  besondern  der  Todesbote. 5  So
kennt  denn  auch  die  Edda  einen  Höllenhund  Garm,  der  zur
Wacht  am  Hause  der  Unterweltsgöttin  Hel  liegt  und  den  Odin
selbst  bei  seiner  Todteüfahrt  mit  blutigem  Rachen  anfällt,  wie
die  Vegtamsquida  berichtet.
Die  Halle  der  Hel  steht  jenseits  der  Brücke  in  einem
nördlich  gelegenen  Thale  und  ist  von  einem  hohen  Gitterzaun
umschlossen. 11  Nach  anderer,  aber  sich  damit  vereinender  Vorstellung ­
  wohnt  die  Unterweltsgottheit  in  einem  Berge.  Ein
schweres  Thor,  vergleichbar  dem  /äXxsov  epxog  des  Tartaros,
schliesst  den  Eingang  so  rasch  hinter  den  eintretenden,  dass
es  dem  letzten  an  die  Fersen  schlägt. 7
Das  Leben  bei  Hel  ist  düster  und  traurig,  der  Gegensatz
zu  dem  heitern  Männerleben  in  Odins  glänzender  Walhalle;

'  Grimm  Mythol.  794.
2  Grimm  Mytliol.  791.  Simrock  Handbuch  der  Mythol.  299.  Weinhold
Todtenbestattung  50.  128.  Grabalterthümer  aus  Klein-Glein  9.  —  Nach
der  Snorra  Edda  hütet  die  Jungfrau  Mödgufl’r  die  Brücke  über  den  Unterweltsfluss ­
  Giöll,  der  von  den  zwölf  aus  Hvergelmir  entspringenden  Flüssen
zunächst  bei  der  Burg  der  Hel  vorüberströmt.  Sn.  E.  4.  67.
3  Kuhn  westphäl.  Sagen  1,  127.  Auch  schlesische  Sagen  wissen  von  Obst,
welches  in  geisterhafte  Berghöhlen  geratenden  gegeben  wird.  —  Ueber
die  Wirkung  unterirdischer  Nahrung  vgl.  auch  W.  Müller  in  den  Niedersächsischen
  Sagen  .173.  382.
4  Kuhn  westphäl.  Sagen  1,  327—332.
5  Kuhn  bei  Haupt  Zeitschr.  6,  125  ff.  Norddeutsche  Sagen  503.  Westphäl.
Sagen  1,  65.  142.  347.
6  Snorra  Edda  07.  Rask.
7  Brynhildarquida  11.  64  (Sigurdarqu.  III.  66).  Kulm  westphäl.  Sagen  1,  64  t.
            
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