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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

796  Wein  liold.
schwelg,  der  die  Schiffahrt  durch  das  ganze  Jahr  höchst  gefährlich ­
  macht  und  oft  ganz  unterbricht.  Eine  mittelalterliche
Beschreibung  Grönlands  1  kennt  ihn  unter  dem  Namen  hafhverf,
Meerstrudel,  und  die  Annahme  bietet  sich  von  selbst,  dass  die
Bremer  Polarfahrer  in  diesen  eistreibenden  Malstrom,  den
heutige  Gelehrte  einem  schwimmenden  Gletscher  vergleichen,
in  nebligem  Wetter  gerieten  und  ganz  ehrlich  von  den  erlittenen ­
  Gefahren  erzählten.  Der  mächtige  Strom  schien  zugleich ­
  die  Erklärung  von  Fluth  und  Ebbe  zu  geben,  und  da
in  dem  nordgermanischen  Meer  an  verschiedenen  Stellen  auch
der  Golfstrom  seine  Gewalt  kundgab,  so  glaubte  man  damals
allgemein  darin  den  Grund  jener  wunderbaren  Erscheinung
sehen  zu  dürfen.
Weniger  Begründung  lässt  sich  für  das  zweite  Abenteuer
jener  Friesen  finden.  Hier  ist  irgend  eine  Begebenheit,  die
ihnen  durch  die  Habsucht  ihrer  Matrosen  widerfuhr,  mit  Hilfe
des  Glaubens  an  die  Riesen  des  Nordens  ausgeschmückt.  Die
Beschreibung  der  felsigen  Höhlenstadt,  mit  ihren  Kostbarkeiten
erinnert  zugleich  an  jene  mythische  Nordfahrt  König  Gorms
von  Dänemark,  welcher  unter  Führung  Thorkills  die  Insel
Geruths  kennen  lernen  wollte;  die  Riesen  mit  den  Hunden
lassen  an  die  Albani  (Adam  IV,  19)  denken.
Saxo  Grammaticus,  der  ungefähr  hundert  Jahre  nach
Adam  von  Bremen  seine  dänische  Geschichte  schrieb,  erzählt
jene  wundersame  Fahrt  König  Gorms. 2
Der  Isländer  Thorkill  hatte  dem  König  Gorm  von  den
Wundern  bei  Geruth  erzählt  und  übernahm  die  Ausrüstung
und  Leitung  der  Unternehmung,  welche  der  König  dorthin  beschloss. ­
  Auf  drei  besonders  stark  gebauten,  mit  Rindshäuten
bedeckten  Schiffen,  jedes  mit  hundert  Mann  besetzt,  stachen
sie  in  See.  Nördlich  von  Halogland  verliess  sie  der  günstige
Wind.  Richtungslos  trieben  sie  umher;  die  reichlichen  Vorräthe
  an  Lebensmitteln  waren  bis  auf  das  Mehl  zu  Brei  schon
aufgezehrt.  Da  hören  sie  endlich  die  Brandung  an  dem  Ufer
einer  Insel  rauschen  und  sehen  Rinderheerden  am  Ufer  weiden.

1  Nachdem  die  Handschrift  verloren  ist,  durch  Biörn  Johnsens  Grönlands
Annaler  erhalten,  abgedruckt  a.  a.  O.  226.
2  Saxonis  grammatici  historia  danica.  recens.  P.  E.  Müller  1,  420—433.
            
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