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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Polargegenden  Europas.

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im  Korbe  auf  seinem  Rücken  über  die  Sturmströme  trägt,  die
Zehe  erfriert,  welche  er  aus  dem  Korbe  herausstreckt.  Noch
in  den  jüngeren  Sagas  begegnet  man  dem  Ausdruck  nordwärts
um  die  Elivagar  fahren  für  in  die  Riesenwelt  reisen,  so  in  der
Heidrekssaga,  1  obschon  dieselbe  Jotunheim  in  die  nördliche
Finnmark  setzt.  Aber  jene  nördlichen  Gegenden  von  Norwegen ­
  ,  Schweden  und  den  Lappenländern  verhüllt  in  den
späteren  Sagas  überhaupt  der  Schleier  des  Märchens,  und  so
überrascht  es  auch  nicht,  dass  man  in  jüngerer  Zeit-*  den  altmythischen ­
  Namen  der  elivagar  auf  den  Einfluss  des  Eismeers
in  das  weisse  Meer  übertrug. 2  Wir  werden  Gelegenheit  haben,
auf  diese  späteren  Vorstellungen  von  der  allgemein  ostwärts
gedachten  Riesenwelt  zurückzukommen. :t
Wenden  wir  uns  aber  von  dieser  mythischen  Geographie
zu  den  geschichtlichen  Nachrichten  über  unseren  hohen  Norden.
An  die  Spitze  derselben  würde  Tacitus  Mittheilung  im  45.
Kapitel  der  Germania  treten  von  dem  trägen  und  fast  bewegungslosen ­
  Meere  nördlich  der  Schweden,  welches  den  Erdkreis ­
  umschliesst  und  über  dem  die  hellen  Nächte  liegen;  das
Ende  der  Welt  ist  dort.  Allein  Tacitus  schöpft  hier  nicht  aus
deutschen  Quellen,  sondern  gibt,  wie  K.  Müllenhoff  nachwies, 4
die  durch  Pytheas  begründeten  Vorstellungen  der  antiken  Völker
wieder.  Eine  deutsche  Fabel  erscheint  jedoch  in  der  Angabe, 5
dass  die  Nachbaren  der  Schweden,  die  Sitones,  unter  Weiberregiment ­
  stünden:  denn  kaum  wird  hierin  die  älteste  Spur  der
germanischen  Volksetymologie  für  den  Finnennamen  Kainulaiset
als  Quenen (i  zu  verkennen  sein.
Auf  deutsche  Quelle  geht  vielleicht  auch  die  Nachricht
am  Schluss  der  Germania  über  die  fabelhaften  Hellusii  und
Etiones  (Oxiones)  zurück,  welche  Menschenköpfe  auf  Thierleibern ­
  tragen.

1  Stai'kadr  Aludrengr  var  farinn  norctr  um  eliväga.  Heidrekssaga.  1.
2  Petersen  Handbog  i  den  gammelnordiske  Geografi  1,  229.
3  Fara  i  austrveg,  1  austrvega  heisst  geradezu  in  die  Riesenländer  gehen.
4  K.  Müllenhoff,  Deutsche  Alterthumskunde  1,  403  f.  422  f.
5  Germ.  45:  Suionibus  Sitonum  gentes  continuantur,  cetera  similes  nno
differunt  quod  femina  dominatur.
6  Got.  queneis,  altn.  quaenir,  Frauen.
            
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