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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Uebor  Kant’s  Widerlegung  des  Idealismus  von  Berkeley.

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bestimmen;  so  dass,  da  wir  es  nicht  wissen,  alles,  was  wir
sehen,  hören  oder  fühlen,  nur  Phantome  und  leere  Chimäre
sein  mag,  mit  den  realen,  in  natura  rerum  existirenden  Dingen
verglichen.  All  dieser  Skepticismus  (den  somit  Berkeley  von
sich  abweist)  kommt  von  der  Annahme  eines  Unterschiedes
zwischen  Dingen  und  Ideen'  (a.  a.  0.  I.  p.  67).  Eines
solchen  nämlich,  bei  welchem  zwischen  beiden  gewisse  Aehnlichkeit
  wie  zwischen  Zeichen  und  Bezeiclinetem  herrschen  und
das  Zeichen  nur  eben  nicht  hinreichen  soll,  die  wahre  Qualität ­
  des  Bezeichneten  zu  erkennen.  Diese  Annahme  aber  fällt
mit  der  Theorie  zusammen,  welche  Kant  (erste  Ausgabe  vgl.
II.  Nachtr.  S.  67b)  empirischen  Idealismus  nennt,  und
gegen  welche  Berkeley,  wie  man  sieht,  ausdrücklich  Front
macht.  Derselbe  bezweifelt  daher  nicht  nur  nicht,  dass  ausser
dem  wahrnehmenden  Geist  irgend  etwas  existire,  sondern  er
bezweifelt  den  obigen  ,Unterschied  zwischen  Dingen  und  Ideen'
gerade  darum,  weil  er  zum  Zweifel  führt,  dass  etwas
ausser  dem  (subjectiven)  Geist  existire.  Darüber,  dass
die  vollkommene  Unähnlichkeit  zwischen  ,Erscheinung  und
Ding  an  sich'  (der  Vorstellung  im  Geist  und  dem,  was  wahrhaft ­
  ist  ausser  demselben)  nicht  die  Folgerung  begründen
könne,  es  existire  gar  nichts  ausser  der  Vorstellung,
die  im  Geisteist,  ist  er  vielmehr  mit  Kant  ganz  einverstanden.
Denn  auch  nach  Diesem  lässt  aus  der  völligen  Unerkennbarkeit
also  auch  Unvergleichbarkeit  der  Qualität  des  Dinges  an  sich
mit  der  Materie  der  Erfahrung  (der  Qualität  der  Empfindungen)
sich  durchaus  nicht  schliessen,  es  existire  nur  die  Empfindung
(im  Subject),  und  kein  Ding  an  sich  als  Ursache  derselben
(ausser  dem  Subject).
Man  kann  sagen,  die  ,Sache'  im  Kant’schen  Sinne,  d.  i.
die  Existenz  eines  ,Ding  an  sich'  oder  Noumenon  zu  bezweifeln, ­
  ist  auch  Berkeley  ,nicht  in  den  Sinn  gekommen'.  Vielmehr
geht  sein  Bemühen  (wie  das  Kant’s)  nur  dahin,  darzutlmn,
dass  dasjenige,  was  im  Geiste  (Phänomenon,  Idee)  und  dasjenige, ­
  was  ausser  dem  Geiste  als  Ursache  der  Idee  im  Geiste
ist  (Noumenon,  Ding  an  sich),  zwar  miteinander  schlechterdings
keinerlei  Aehnlichkeit  habe  und  haben  könne,  nichts
desto  weniger  aber  ein  Solches,  das  Kant  Ding  an  sich  schlechtweg, ­
  er  selbst  aber  Gott  nennt,  vorhanden  sei.
Sitzb.  d.  phil.-Mst.  Cl.  LXVIII.  Bd.  IV.  Hft.

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