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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

"Geber  Kaufs  Widerlegung  des  Idealismus  von  Berkeley.

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in  jedem  andern  als  in  dem  Sinne  einer  blossen  ,Erscheinung*,
d.  i.  einer  ,Art  Vorstellung*,  zu  leugnen,  so  ist  es  jetzt  sein
vornehmstes  Bestreben,  die  Existenz  des  ,Dinges  an  sich 1 ,  das
nicht  bloss  Vorstellung  ist,  zu  behaupten.  Um  seine  eigenen,
Proleg.  §.  17  vorkommenden  Ausdrücke  zu  gebrauchen,  so  war
es  ihm  in  der  ersten  Ausgabe  vornehmlich  darum  zu  thun,  den
,träumenden*  Idealismus  zu  widerlegen,  der  ,blosse  Vorstellungen ­
  zu  Sachen  macht*,  d.  h.  für  Dinge  an  sich  ansieht,  was
blosse  Erscheinungen  sind.  In  der  zweiten  Auflage  dagegen
geht  er  darauf  aus,  jenen  ,in  der  That  verwerflichen  Idealismus* ­
  zu  widerlegen,  der  ,wirkliche  Sachen  (nicht  Erscheinungen)
iii  Vorstellungen*,  d.  h.  selbst  das  ,Ding  an  sich*,  in  eine
blosse  Erscheinung  zu  verwandeln  sucht.
Was  Kant  hier  als  ,träumenden*  Idealismus  bezeichnet,
ist  in  der  That  dasselbe,  was  Berkeley  (Hum.  knowl.  56.  I.  p.
50)  als  die  Ansicht  des  ungeschulten  Denkens  beschreibt:  ,Da
wir  Ideen  haben,  deren  Urheber  wir  nicht  sind,  so  meinen
wir,  diese  Ideen  oder  Objecte  der  Wahrnehmung  hätten  eine
Existenz  unabhängig  von  unserem  (leiste  und  ausserhalb  des
Geistes*,  d.  h.  wir  haltern  blosse  Vorstellungen  für  Sachen.
In  der  Ablehnung  eines  solchen  sind  Beide  wieder  ganz  einig.
Dagegen  kann  es  jetzt  wol  kaum  mehr  zweifelhaft  sein,  dass
die  Benennung  ,des  in  der  That  verwerflichen  Idealismus*,  der
,wirkliche  Sachen  (nicht  Erscheinungen)  in  blosse  Vorstellungen*
verwandelt,  und  den  er  den  ,schwärmenden*  nennt,  auf  Berkeley’s
  Lehre  zielt,  den  er  wenige  Zeilen  zuvor  als  ,mystisch
und  schwärmerisch*  charakterisirt  und  in  den  Rahmen  des  ,recipirten
  Idealismus*,  dessen  Wesen  darin  bestehe,  ,die  Existenz
der  Sachen  zu  bezweifeln*,  mit  einbezogen  hat.
Offenbar  wird  das  Wort  ,Sachen*  an  diesem  Ort  von  Kant
zu  dem  Zwecke  gebraucht,  damit  dasjenige  zu  bezeichnen,  was
,nicht  Erscheinung*  ist.  In  diesem  Sinne  aber  ist  es  mit  dem,
was  Kant  sonst  ,Ding  an  sich*  oder  ,Noumenon*  nennt,  gleichbedeutend. ­
  Demzufolge  erhält  die  Benennung  Idealismus  den
sehr  bestimmten,  aber  vielleicht  nicht  eben  ,recipirten*  Sinn
einer  Lehre,  welche  die  Existenz  der  Dinge  an  sich,  der  Noumena
  bezweifelt  (oder  leugnet).  ,Recipirt*  konnte  derselbe  zu
Kant’s  Zeit  (1783)  schon  aus  dem  Grunde  nicht  sein,  weil  die
Unterscheidung  zwischen  Phänomena  und  Noumena,  ,Ersehe!-
            
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