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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  Kant’s  Widerlegung  des  Idealismus  von  Berkeley.

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(in  Verbindung  mit  den  reinen  Verstandesbegriffen)  a  priori
aller  möglichen  Erfahrung  ihr  Gesetz  vorschreiben,  welches
zugleich  das  sichere  Kriterium  abgebe,  in  ihr  Wahrheit  vom
Schein  zu  unterscheiden.
Hiezu  macht  Kant  noch  eine  Anmerkung,  in  welcher  er
dem  eigentlichen'  Idealismus  (also  auch  dem  Berkeley’s)  jederzeit ­
  eine  ,schwärmerische  Absicht'  zuschreibt  und  behauptet,
derselbe  könne  keine  andere  haben.  Derselbe  habe  nämlich
immer  (also  auch  wol  Berkeley?),  wie  schon  aus  dem  Plato
zu  ersehen,  aus  unseren  Erkenntnissen  a  priori  (selbst  derer
[sic]  der  Geometrie)  auf  eine  andere  (nämlich  intellectuelle)
Anschauung,  als  die  der  Sinne  geschlossen,  weil  man  sich  gar
nicht  einfallen  Hess,  dass  Sinne  auch  a  priori  anschauen  sollten.
Ich  schicke  voraus,  dass  das  im  obigen  Passus  Kant’s
Angeführte  dem  besondern  Zweck  dieser  Abhandlung  gemäss
uns  nur  so  weit  angehen  darf,  als  dadurch  Berkeley  besonders
getroffen  werden  soll.  Wenn  auf  alle  ,eigentlichen'  Idealisten
und  auf  ihn  ganz  ,vornehmlich'  obige  Auseinandersetzung
Kant’s  passt,  und  der  eigentliche'  Idealismus  jederzeit  schwärmerisch' ­
  ist,  so  begreift  sich  zum  Theil,  warum  Berkeley’s
Idealismus  S.  210  ,mystischer  und  schwärmerischer'  heisst.
Gleichwohl  wird  man  noch  immer  nicht  gewahr,  warum  der  dort
von  dem  seinen  unterschiedene  Cartesianische,  der  ja  doch  wol
auch  für  ,eigentlichen'  Idealismus  gilt,  da  er  in  der  ersten  Ausgabe ­
  diesen  sogar  allein  repräsentirt,  nicht  gleichfalls  als  solcher ­
  qualificirt  wird.
Es  ist  nun  in  Betreff  Berkeley’s  allerdings  richtig,  dass
dieser  den  Raum  (obwohl  nur  rücksichtlich  seiner  Entstehung)
für  eine  bloss  empirische  Vorstellung  ansieht,  und  davon,  dass
,Sinne  a  priori  anschauen  können',  nichts  weiss.  Unrichtig  aber
ist  es,  dass  er  desshalb  (namentlich  betreffs  der  geometrischen
Erkenntnisse)  auf  eine  andere  (nämlich  intellectuelle)  Anschauung ­
  als  die  der  Sinne  geschlossen  habe.  Vielmehr  ist  ihm
(Hum.  knowl.  Introd.  VI.  I.  p.  5)  die  Meiimng,  der  Geist  habe
ein  Vermögen,  abstracte  Ideen  oder  Begriffe  von  Dingen  zu
bilden,  in  allen  Theilen  der  Erkenntniss  eine  Hauptquelle  des
Irrthums.  In  dieser  Beziehung  kann  nichts  falscher  sein,  als
ihn,  wie  Kant  in  obiger  Stelle  thut,  mit  Plato,  den  er  nur  als
Schriftsteller  sich  zum  Muster  nahm,  zusammenzustellen.  Er  ist
            
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