Ueber Kant’s Widerlegung des Idealismus von Berkeley.
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(in Verbindung mit den reinen Verstandesbegriffen) a priori
aller möglichen Erfahrung ihr Gesetz vorschreiben, welches
zugleich das sichere Kriterium abgebe, in ihr Wahrheit vom
Schein zu unterscheiden.
Hiezu macht Kant noch eine Anmerkung, in welcher er
dem eigentlichen' Idealismus (also auch dem Berkeley’s) jederzeit
eine ,schwärmerische Absicht' zuschreibt und behauptet,
derselbe könne keine andere haben. Derselbe habe nämlich
immer (also auch wol Berkeley?), wie schon aus dem Plato
zu ersehen, aus unseren Erkenntnissen a priori (selbst derer
[sic] der Geometrie) auf eine andere (nämlich intellectuelle)
Anschauung, als die der Sinne geschlossen, weil man sich gar
nicht einfallen Hess, dass Sinne auch a priori anschauen sollten.
Ich schicke voraus, dass das im obigen Passus Kant’s
Angeführte dem besondern Zweck dieser Abhandlung gemäss
uns nur so weit angehen darf, als dadurch Berkeley besonders
getroffen werden soll. Wenn auf alle ,eigentlichen' Idealisten
und auf ihn ganz ,vornehmlich' obige Auseinandersetzung
Kant’s passt, und der eigentliche' Idealismus jederzeit schwärmerisch'
ist, so begreift sich zum Theil, warum Berkeley’s
Idealismus S. 210 ,mystischer und schwärmerischer' heisst.
Gleichwohl wird man noch immer nicht gewahr, warum der dort
von dem seinen unterschiedene Cartesianische, der ja doch wol
auch für ,eigentlichen' Idealismus gilt, da er in der ersten Ausgabe
diesen sogar allein repräsentirt, nicht gleichfalls als solcher
qualificirt wird.
Es ist nun in Betreff Berkeley’s allerdings richtig, dass
dieser den Raum (obwohl nur rücksichtlich seiner Entstehung)
für eine bloss empirische Vorstellung ansieht, und davon, dass
,Sinne a priori anschauen können', nichts weiss. Unrichtig aber
ist es, dass er desshalb (namentlich betreffs der geometrischen
Erkenntnisse) auf eine andere (nämlich intellectuelle) Anschauung
als die der Sinne geschlossen habe. Vielmehr ist ihm
(Hum. knowl. Introd. VI. I. p. 5) die Meiimng, der Geist habe
ein Vermögen, abstracte Ideen oder Begriffe von Dingen zu
bilden, in allen Theilen der Erkenntniss eine Hauptquelle des
Irrthums. In dieser Beziehung kann nichts falscher sein, als
ihn, wie Kant in obiger Stelle thut, mit Plato, den er nur als
Schriftsteller sich zum Muster nahm, zusammenzustellen. Er ist