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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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Zimmer  man  n.

selben  gemein  hat.  Vielmehr  kann  darunter  nur  ,tlie  Bezweiflung
der  Existenz  der  Sachen*,  der  Kern  fies  ,recipirten  Idealismus*
gemeint  sein,  wobei  unter  den  Sachen  nicht  die  Materie,  die
ja  blosse  Erscheinung  (substantia  phaenomenön)  ist,  sondern
die  substantia  noumenon,  das  Ding  an  sich  der  Kritik,  verstanden ­
  wird.  Diese  zu  leugnen  mag  Kant  allerdings  auch  in
der  ersten  Ausgabe  nicht  ,in  den  Sinn*  gekommen  sein,  da
er  auch  dort  ,nur  sagen  wollte,  dass  die  Dinge,  die  wir  anschauen, ­
  nicht  das  an  sich  selbst  sind,  wofür  wir  sie  anschauen,
noch  ihre  Verhältnisse  so  an  sich  selbst  beschaffen  sind,  als
sie  uns  erscheinen,  und  was  es  für  eine  Bewandtniss  mit  den
Gegenständen  an  sich  und  abgesondert  von  aller  dieser  Receptivität
  unserer  Sinnlichkeit  haben  möge,  uns  gänzlich  unbekannt
bleibe*  (II.  78.).  Zwar  ist  dadurch  die  Möglichkeit,  dass  jene
,uns  gänzlich  unbekannt  bleibenden*  Dinge  an  sich  existiren,
  nicht  ausgeschlossen;  durch  den  eingeschobenen  Satz  aber:
dass,  ,wenn  wir  unser  Subject  oder  auch  nur  die  subjective
Beschaffenheit  der  Sinne  überhaupt  aufheben,  alle  die  Beschaffenheit, ­
  alle  Verhältnisse  der  Objecte  in  Raum  und  Zeit,  ja
selbst  Raum  und  Zeit  verschwinden  würden,  und  als  Erscheinungen ­
  nicht  an  sich  selbst,  sondern  nur  in  uns  existiren
können*  (ebendas.),  ist  klar  ausgedrückt,  dass  sie  wenigstens
für  uns  so  gut  wie  nicht  existiren,  oder  was  dasselbe  ist,
dass  für  uns  nur  Erscheinungen  in  uns  existiren.
Kein  Object  ohne  Subject,  keine  Erscheinung  ohne  Denjenigen, ­
  dem  sie  erscheint!  Dieser  Fundamentalsatz  der  Kant’schen
Kritik  trifft  mit  dem  Satze  Berkeley’s:  esse  =  percipi,.  vollkommen
zusammen.  Derselbe  enthält  eine  so  einleuchtende  Wahrheit,  dass
in  ihm  das  ,Mystische*  und  Schwärmerische*,  welches  Kant  in
dem  Idealismus  Berkcley’s  findet,  unmöglich  gesucht  werden
kann.  Wie  sich  von  selbst  versteht,  dass  ohne  Spiegel  kein  Spiegelbild, ­
  so  ist  es  klar,  dass  ohne  das  anschauende  Auge  keine
Anschauung  zu  Stande  kommen  würde.  Berkeley’s  Theorie  des
Sehens  (1709),  die  sich,  nicht  nur  mit  derjenigen  A.  Schopenhauers, ­
  sondern  wie  Baumann  (Lehre  von  Raum,  Zeit  undMat.
II.  366)  richtig  bemerkt,  in  der  Grundidee  mit  der  neuerdings,
namentlich  von  Helmholtz  (physiologische  Optik)  vertretenen
berührt,  schafft  mit  dem  Canon:  der  Geist  erkennt  nur  durch  Ideen,
fl.  i.  unmittelbare  Objecte  der  Sinne,  die  Optik,  d.  i.  die  physika-
            
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