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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  Kant’s  Widerlegung  des  Idealismus  von  Berkeley.

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märe  und  secundäre,  als  blosse  Vorstellungen  im  Geiste  nachgewiesen ­
  habe  (vgl.  a.  a.  O.  p.  201),  fällt  mit  diesem  von
Kant  transcendental  genannten  Realismus  in  Eins  zusammen.
Das  Irrige  derselben  findet  er  nicht  etwa  darin,  dass  durch
die  doch  nur  subjectiven  Sinnederen  objective  Qualitäten  erkannt
werden,  sondern  dass  jenseits  der  durchaus  subjectiven  (secundären
  und  primären)  Qualitäten,  die  als  solche  nur  Vorstellungen ­
  (im  Geiste)  sein  können,  überhaupt  noch  etwas  an  sich
vorhanden  sein  solle.  Das  Ansich  der  Dinge  bleibt  nicht  nur,
wie  Locke  noch  wollte,  gänzlich  unbekannt,  sondern  es  bleibt
überhaupt  weder  Materie  noch  Körper  übrig,  wenn  man  alle
Eigenschaften  derselben  als  blosse  Vorstellungen  begriffen  hat.
Hält  man  sich  blos  an  die  erste  Ausgabe,  so  darf  man
behaupten,  Berkeley  sei  nur  dann  kein  Idealist,  wenn  auch
Kant  keiner  sei,  d.  h.  wenn  der  transcendentale  eben  kein
Idealismus  ist.  Dass  er  das  nicht  sei,  behauptet  nun  Kant  an
keinem  Orte;  aber  er  führt,  um  der  Verwechslung  seiner  Lehre
mit  dem,  was  er  in  der  ersten  Ausgabe  kurzweg  Idealismus
nennt,  zu  entgehen,  in  den  Prolegomenen  (§.  49,  III.  S.  261)
und  in  der  zweiten  Ausgabe  (II,  S.  389)  eine  andere,  in  jenen
iiberdiess  §.  13,  S.  210  noch  eine  dritte  Bezeichnung  ein  für
das,  was  er  sonst  ,transcendentalen  Idealismus'  genannt  habe.
Er  nennt  ihn  den  ,formalen'  (Proleg.  §.  49),  im  Gegensätze
zu  dem  ,materialen',  d.  i.  dem  gemeinen,  ,der  die  Existenz
äusserer  Dinge  selbst  bezweifelt  oder  leugnet'  (II.  S.  389.  Akg.),
in  den  Proleg.  §.  13  aber,  um  ,Missdeutung  zu  verhüten',  den
,kritischen'.  Dieser  ,formale  Idealismus  (sonst  von  mir,  d.  i.
in  der  ersten  Ausgabe,  transcendental  genannt)  hebt  wirklich
den  materiellen  oder  Cartesianischen  auf'  (III.  S.  260,  Proleg.
§.  49.)  Dass  er  auch  den  Berkeley’schen  aufhebe,  ist  nicht  gesagt; ­
  ebensowenig,  dass  der  letztere  auch  ,materiell'  sei.  Letzteres ­
  kommt  erst  in  der  zweiten  Ausgabe  vor.  Vielmehr  ist
aus  dem  dazwischengesetzten  ,oder‘  zu  schliessen,  dass  Kant
wie  im  J.  1781  ,Idealismus'  und  ,Cartesianischen  Idealismus'
so  im  J.  1783  ,materiellen'  und  ,Cartesianischen  Idealismus'  für
gleichbedeutend  hielt.  Für  letzteren  hat  er  in  demselben  Jahre
(Prolegom.  S.  210)  noch  einen  anderen  Namen,  ‘  indem  er  ihn
den  ,empirischen'  nennt,  zugleich  aber  nur  als  eine  ,Aufgabe'
gelten  lässt,  wegen  deren  Unauflöslichkeit  es  ,nach  Cartesius
Sitzb.  d.  phil.-hist.  Cl.LXVIII.  Bd.  IV.  llft.

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