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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Transcendental-Idealist,  so  gut  wie  Kant  selbst,  also  nach  der
Terminologie  der  ersten  Ausgabe  kein  Idealist,  sondern  empirischer ­
  Realist.  Denn  die  Existenz  der  Materie,  die  nur  eine
,Art  Vorstellungen,  welche  äusserlich  heissen,  nicht  als  ob
sie  sich  auf  an  sich  selbst  äussere  Gegenstände  bezögen,  sondern ­
  weil  sie  Wahrnehmungen  auf  den  Raum  beziehen,  in
welchem  alles  ausser  einander,  er  selbst,  der  Raum,  aber
in  uns  ist',  kann  auch  Berkeley  einräumen,  ,ohne  aus  dem
blossen  Selbstbewusstsein  hinauszugehen'.  Was  er  leugnet,  ist
nicht,  dass  Materie  und  Körper  als  Ideen  im  Geiste,  sondern ­
  nur,  dass  sie  an  sich  ausser  demselben  existiren.
Nach  dem  von  ihm  aufgestellten  Fundamentalsatz:  esse  =  percipi,
  besteht  die  Existenz  der  Materie  eben  in  ihrem  Percipirt,
d.  i.  im  Geiste  vorgestellt  werden,  so  dass  im  strengsten  Wortsinn ­
  von  ihr  gesagt  werden  kann,  was  Kant  von  dem  transcendentalen
  Idealisten  als  empirischen  Realisten  fordert,  dieselbe
besitze  als  Erscheinung  eine  Wirklichkeit,  die  nicht  geschlossen,
sondern  unmittelbar  (vom  Geiste  im  Geiste)  wahrgenommen
wird.  (A.  a.  0.  S.  676.)
Berkeley  behauptet  nun  nicht  nur  dasselbe,  was  der
Transcendental-Idealist  einräumt,  er  bestreitet  auch  das  Nämliche,
was  dieser  bekämpft.  Als  den  wahren  Gegensatz  desjenigen
Idealismus,  zu  dem  er  sich  selbst  bekennt,  stellt  nämlich  Kant
an  obiger  Stelle  nicht  den  Realismus  schlechtweg,  sondern  den
transcendentalen  Realismus  auf,  der  Zeit  und  Raum  als  etwas
an  sich  (unabhängig  von  unserer  Sinnlichkeit)  Gegebenes  ansieht.
Der  transcendentale  Realist  stellt  sich  äussere  Erscheinungen  (wenn
man  ihnen  Wirklichkeit  einräumt)  als  Dinge  an  sich  selbst
vor,  die  unabhängig  von  uns  und  unserer  Sinnlichkeit  existiren,
also  auch  nach  reinen  Verstandsbegriffen.  Dieser  sei  es,  der
nachher  den  empirischen  Idealisten  spiele,  und  nachdem  er
fälschlich  von  Gegenständen  der  Sinne  vorausgesetzt  habe,  dass,
wenn  sie  äussere  sein  sollen,  sie  an  sich  selbst  auch  ohne  Sinne
ihre  Existenz  haben  müssten,  in  diesem  Gesichtspunkte  alle
unsere  Vorstellungen  der  Sinne  unzureichend  finde,  die  Wirklichkeit ­
  derselben  gewiss  zu  machen.
Die  Ansicht  der  ,Schulphilosophie',  welche  Berkeley  bekämpft, ­
  welche  da  glaube,  dass  von  dem  Dinge  noch  etwas
übrig  bleibe,  wenn  man  seine  sämmtlichen  Eigenschaften,  pri-
            
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