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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  Kant's  Widerlegung  des  Idealismus  von  Berkeley.

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schiedenheit  fallen  zu  lassen,  entweder  zu  Gunsten  der  denkenden ­
  oder  der  ausgedehnten,  oder  einer  dritten  Substanz,  die
keines  von  beiden  ist.  Spiritualismus,  Materialismus  und  Spinozismus
  sind  die  drei  daraus  entspringenden  metaphysischen
Grundansichten,  deren  gemeinsamer  Charakter,  dem  Dualismus
gegenüber,  qualitativer  Monismus  ist.
Dass  von  diesen  in  England  neben  dem  vorherrschenden
Einflüsse  der  Physik,  welche  am  Plofe,  ja  in  König  Karl  II.
persönliche  Liebhaber  zählte,  der  Materialismus  zuerst  Boden
fasste,  ist  nicht  zu  verwundern.  Die  Bacon’sche  Lehre,  dass
alle  Erkenntniss  aus  den  Sinnen  stamme,  hatte  dem  Hobbes’schen
Satze,  dass,  was  durch  die  Sinne  erkannt  werde,  Körper  sei,
reichlich  vorgearbeitet.  Dass  alles,  was  ist,  das  wahrnehmende
Subject,  die  Seele  selbst  eingeschlossen,  nur  Körper,  natürlicher ­
  oder  künstlicher,  sein  könne,  war  die  folgerichtige  Consequenz
  aus  beiden  obigen  Sätzen.  Der  naive  Selbstbetrug,  der
in  der  unbefangenen  Voraussetzung  mitunterlief,  dass  das  Object
der  sinnlichen  Wahrnehmung  ausser  der  letzteren  an  sich
nicht  nur  sei,  sondern  s  o  sei,  wie  es  wahrgenommen  werde,
blieb  so  lange  unentdeckt,  bis  Locke  bemerkte,  dass  die  sogenannten ­
  secundären  Eigenschaften  der  Körper:  Farbe,  Geruch,
Geschmack  u.  s.  w.,  nicht  sowohl  von  diesen  als  von  der  Beschaffenheit ­
  der  wahrnehmenden  Sinnesorgane  gemacht  würden.
Dass  wir  ohne  Auge  keine  Farben  sehen,  ohne  Ohr  keinen
Schall  hören  würden,  war  eine  Einsicht  von  so  einleuchtender
Wahrheit,  dass  sie  sofort  zum  Axiom  erhoben  wurde.  Dieselbe
konnte  darin  nur  erreicht,  aber  nicht  übertroffen  werden  von
der  sofort  folgenden  weiteren,  dass  auch  die  sogenannten  primären ­
  Eigenschaften  der  Körperwelt:  Ausdehnung  und  Gestalt, ­
  also  räumliche  Bestimmtheit,  nicht  unmittelbar  wahr  geil ­
  o  m  men,  also  nicht  erkannt,  sondern  als  innere  Vorgänge
  auf  das,  was  aussen  ist,  vom  Subject  übertragen  würden.
Von  der  objectiven  Welt  der  mit  primären  und  secundären
Eigenschaften  ausgestatteten  Dinge,  blieb  in  dessen  Folge
nichts,  als  die  nach  Abzug  aller  primären  und  secundären
Qualitäten  nackt  ausgezogene  Substanz,  die  Trägerin  der
Eigenschaften,  ein  seinem  eigenen  Wesen  nach  dem  Subject
durchaus  unbekannt  bleibendes  X  oder  Ding  an  sich,  von  dem
weder  Farbe  noch  Klang,  Geruch,  Geschmack,  Härte,  Weich-
            
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