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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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716  Zimmer  mann.
für  ihn  hat  sie  Kant  gar  nicht  bestimmt.  Dem  Geschichtschreiber ­
  Kant’s  ist  hier  ein  kleines  Versehen  begegnet,  das  der  Verfolg
unserer  Darstellung  auf  hellen  wird.  Diese  hat  den  Zweck,  das
Urtheil  Kant’s  über  den  speciellen  Idealismus  Berkeley’s  klarzustellen ­
  und  darzuthun,  inwiefern  derselbe  durch  jenes  getroffen ­
  werde  oder  nicht.
Dabei  wird  sich  zeigen,  dass  der  Idealismus  Kant’s  demjenigen ­
  des  Engländers  näherstand  als  irgend  einer,  ja  dass  er
in  seinem  wesentlichsten  Punkte  gar  nicht  von  demselben  verschieden ­
  war;  zugleich  aber  auch,  dass  Kant  von  der  Lehre
Berkeley’s  eine  ganz  unrichtige  Vorstellung  besass,  und  die  von
ihm  als  angeblich  Berkeley’s  bestrittenen  Argumentationen
diesem  gar  nicht  angehören.
Der  Idealismus  Berkeley’s  steht  unter  seinen  Landsleuten
und  Zeitgenossen  vereinzelt  da.  Eine  Lehre,  welche  die  Realität ­
  der  Körperwelt  leugnet,  in  einem  Lande  und  in  einem
Zeitalter,  dessen  erfolgreichste  Anstrengungen  auf  die  Erkenntniss
und  Beherrschung  der  materiellen  Dinge  gerichtet  sind,  kann
kein  anderes  Loos  haben.  Solchen  muss  eine  Lehre,  welche  wie
der  Materialismus  weder  an  der  Realität  noch  der  Erkennbarkeit ­
  der  materiellen  Körperwelt  den  mindesten  Zweifel  hegt,
und  selbst  die  den  physikalischen  heterogensten  Vorgänge,  die
Empfindungen,  als  blosse  Bewegungen  der  Hirntheile  betrachtet,
natürlicherweise  die  willkommenste  sein,  weil  sie  in  ihre  auf
materielle  Zwecke  durch  materielle  Mittel  gerichteten  Bestrebungen ­
  die  schwer  entbehrliche  Einheit  bringt.  Eine  Lehre,  die,
wie  der  Cartesianismus,  Geist  und  Materie  als  qualitativ  unterschiedene ­
  Substanzen  trennt,  scheint  dadurch  zwar  den  Eindruck ­
  der  unmittelbaren  Beobachtung,  die  uns  Geistiges  und
Körperliches  mit  verschiedenen  Eigenschaften,  jenes  als  Empfindung, ­
  dieses  als  Bewegung  zeigt,  näher  zu  stehen.  Aber  sie
reisst  nicht  nur  die  eng  verbunden  scheinende  Erfahrungswelt,
das  menschliche  Wesen  voran,  in  zwei  toto  genere  entgegengesetzte ­
  Wesenreiche  auseinander,  sondern  sie  verwickelt  die  Frage,
wie  diese  demungeachtet  für  einander  zugänglich  bleiben  oder
gemacht  werden  sollen,  in  die  äussersten  Schwierigkeiten.  Will
man  nicht  zu  der  Unbegreiflichkeit  einer  göttlichen  Assistenz
oder  zu  der  Unwürdigkeit  gelegentlicher  Ursachen  seine  Zuflucht
nehmen,  so  bleibt  nichts  übrig,  als  jene  qualitative  Ver-
            
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