Der Geisterglaube in dem alten China. ß81
Sie-ling-yün sah im fünften Jahre des Zeitraumes Yuenkia
(428 n. Chr.) plötzlich Sie-hoei. 1 Derselbe hielt sein Haupt
hoch in den Händen, kam und setzte sich auf ein besonderes
Bett. Das Blut träufelte und fiel herab auf eine Weise, dass
man den Anblick nicht ertragen konnte. Auch das JPelzkleid
aus Leopardenfell, in das sich Jener kleidete, war in Blut
getränkt, das den Koffer erfüllte. Als er die Provinz Lintschuen
verwaltete, fanden sich in seiner Speise mehrmals grosse
Insekten. Der Mann von dem Geschlechte Sie wurde hierauf
hingerichtet.
In dem Zeitalter hatte man die purpurne Muhme. Von
jeher erzählte man sich gegenseitig in Ueberlieferungen, sie sei
das Kebsweib eines Menschen gewesen. Sie sei von dem
grossen Weibe im Umgänge belogen worden und dieses habe
sie zu Dienstleistungen bei schmutzigen Dingen verwendet. Am
fünfzehnten Tage des ersten Monates des Jahres ärgerte sie
sich und starb. Desswegen verfertigten die späteren Menschen
au diesem Tage ihr Bild und zogen in der Nacht an Seitenorten
oder neben einer Schweinshürde entgegen. Sie riefen sie
mit den Worten an: Tse-siii ist nicht da, der Mann der Tsao
kehrt auch heim. (Tsao ist das grosse Weib.) Die kleine Muhme
kann austreten und spielen. — Wenn man warf und eine Schwere
bemerkte, so kam die Göttin alsbald. Man trug ihr Wein und
Früchte auf. Man bemerkte auch, dass ihr Angesicht in heller
Farbe glühte. Sie sprang und hüpfte dann ohne Auf hören.
Sie konnte über alle Dinge wahrsagen, ihre Wahrsagung erstreckte
sich jedoch nicht auf Seidenraupen und Maulbeerbäume.
Sie war ferner geschickt im Pfeilschiessen und Angeln. Wenn
sie gut aufgelegt war, so tanzte sie stark. Wenn sie schlecht
aufgelegt war, so legte sie sich zurück und schlief. Der Mann
von dem Geschleclite Meng aus Ping-tschang glaubte dieses
niemals. Er prüfte es selbst, ging hin und erfasste sie. Sie
sprang in die Höhe, durchlöcherte den Oberthcil des Zeltes
und verschwand. Man verlor ihre Spur für immer.
1 Sie-hoei hatte sich im dritten Jahre des Zeitraumes Yuen-kia (426 n. Chr.)
in Kiang-ling empört. Er wurde in demselben Jahre durch ein von dem
Kaiser befehligtes Kriegsheer geschlagen und liingeidchtet.