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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Wenn  jemand  in  einem  nach  Nicanor’s  Regeln  interpungirten
oder  auch  in  dem  an  solchen  angeblichen  Constructions-Erleichterungszeichen
  strotzenden  Clarke-Ernestischen  oder  Wölfischen ­
  Texte  nachprüfend  zählte,  möchte  er  auf  eine  bedeutend
höhere  Zahl  kommen;  ich  glaubte  mich  Bekker’s  wohlerwogenem ­
  Verfahren  (vergl.  Hom.  Bl.  233.  293.  268),  das  in
den  Ausgaben  allerdings  an  kleinen  Inconsequenzen  leidet,
anschliessen  zu  sollen.  In  der  Unterscheidung  stärkerer  und
schwächerer  Interpunction  weiss  ich  nicht,  wie  man  nicht
subjectiv  Vorgehen  könnte.  Doch  ist  dies  sowie  etwaige
Zahlendifferenzen  für  unsere  weiteren  Erwägungen  unerheblich.
Die  gegebenen  Ziffern  bestätigen  in  bester  Weise,  dass
die  Interpunction  im  gesprochenen  oder  gesungenen  Vers  ein
wenn  auch  kleines,  so  doch  merkliches  Innehalten  der  Stimme
erforderte,  dass  durch  sie  ein  Zeitverlust  gegeben  war,  den
man  dadurch  am  wenigsten  fühlbar  zu  machen  suchte,  dass
man  die  Satz-  oder  Satzabschnitts-Enden  mit  den  Caesuren
zusammenfallen  liess.  Denn  warum  in  aller  Welt  hätte  man
sonst  von  16  möglichen  Stellen  gerade  so  gerne  die  Hauptcaesuren
  (die  des  3.  Fusses  713mal,  die  bukolische  387-,  die
Trithemimeres  245mal)  aufgesucht?  Darauf  führt  noch  ein
anderer  Umstand.  Wir  sehen,  dass  in  der  ersten  Vershälfte
nach  jeder  Silbe  mit  einziger  Ausnahme  jener,  mit  welcher
der  2.  Daktylus  schliesst,  Satzende  möglich  ist,  nicht  so  in
der  andern,  ja  dass  in  dieser  ein  Durchschneiden  der  Thesis
geradezu  als  verpönt  bezeichnet  werden  kann.  Vielleicht  darf
man  zur  Erklärung  eine  Beobachtung  Brücke’s  heranziehen.
,Ich  habe  ferner  beobachtet',  heisst  es  a.  a.  0.  52,  ,dass  im
Pentameter  und  in  der  ersten  Hälfte  des  Hexameters  die
zweite  Kürze  der  Daktylen  eine  Neigung  hat,  sich  auf  Kosten
der  ersten  zu  verlängern.  Es  zeigte  sich  dies  ganz  deutlich,
wenn  ich  beiden  Kürzen  dieselbe  Silbe  unterlegte,  so  dass  die
Natur  der  Silben  keinen  Unterschied  bedingen  konnte  ....
Weniger  war  dies  in  der  zweiten  Hälfte  des  Hexameters  der
Fall,  die,  wenn  ich  mich  so  ausdrücken  darf,  mehr  anapaestisch
gesprochen  wird.  Da  die  Arsen  im  Hexameter  gleichabständig
sind,  so  werden  durch  den  Zeitverlust,  den  die  Caesur  bedingt,
die  folgenden  zwei  Kürzen  etwas  gegen  die  nächste  Länge
zusammengeschoben,  und  dieser  veränderte  Tact  bleibt  für
            
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