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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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Harte  1.

Handschriften  die  Doppelung  tlieils  treu  bewahren  und  diese
sieh  vielfach  in  der  Thesis  behauptet.  Doch  ist  dies  keine
Sache,  die  sich  so  nebenbei  entscheiden  lässt.
Ist  es  durch  die  bisherige  Untersuchung  wahrscheinlich
gemacht  worden,  dass  die  Positionslänge  der  Liquiden  aus  dem
volleren  Gehalte  dieser  Laute  abzuleiten  sei  und  konnte  doch
nicht  in  Abrede  gestellt  werden,  dass  vor  nicht  wenigen  der
betreffenden  Wurzeln  ein  anderer  Consonant  abgefallen,  der
ehedem  mit  seinem  Nachbar  auf  durchaus  rechtmässigem  und
gewöhnlichem  Wege  vorausgehende  Kürze  längte,  so  scheinen
wir  von  einem  beruhigenden  Abschluss  aller  Fragen  noch  recht
weit  entfernt  zu  sein;  denn  welche  Fälle  sich  unter  dem  einen,
welche  unter  dem  anderen  Gesichtspunkte  erledigen,  ist  damit
nicht  im  entferntesten  entschieden.  Wenn  es  auch  nicht
weiter  gelänge,  die  beiden  Gesichtspunkte  zu  vereinigen,
Einiges  wäre  immer  erreicht,  z.  B.  dass  nun  einmal  die  Etymologen ­
  aufhören  müssten,  aus  blosser  Positionslänge  ohne
weiters  auf  den  Verlust  eines  Consonanten  zu  schliessen.  Aber
vielleicht  ist  doch  eine  Vereinigung  möglich,  die  selbst  wieder
auf  eine  Reihe  anderer  Thatsachen  der  griechischen  Sprachentwicklung ­
  ein  Licht  zu  werfen  geeignet  sein  möchte.  Wir
fanden,  als  wir  früher  die  Wurzeln  musterten,  die  ursprünglich ­
  mit  Doppelconsonanten  begannen,  dass  F  vor  p  (Fpay,  Fpoa,
Fps,  Fpsy,  Fpöit,  FpiS),  g  vor  v  (cva,  cvap,  avt<p,  avuco  woher  vuoc),
und  g  vor  p  (apu)  verloren  ging.  Das  sind  gerade  einige  jener
gleichartigen  Consonantengruppen,  welche,  wie  die  vergleichenden ­
  Zusammenstellungen  von  Stämmen  beweisen  (bei  Leo
Meyer  VG.  I  182—222,  Curtius  Gz. 2  621  ff.,  Pott  EF.
11  297),  im  Lateinischen  und  Griechischen  die  grössten  Verluste ­
  erfahren  haben,  v  ist  im  Latein  überall  abgefallen,  selbst,
da,  wo  sich  im  Griechischen,  wenn  auch  meist  nur  in  dialektischen ­
  Formen,  ein  ß  erhielt  (rosa  ßpooov,  rugio  ßpu^dcp.ai,  vergl.
Corsseu  I 2  311),  so  dass  also  die  Combinationen  vl,  vr,  vn
beiden  Sprachen  fehlen.  Ebenso  verlor  das  Latein  die  Gruppen
sl,  sm,  sn,  sr,  während  sich  im  Griechischen  g\i.  wenigstens  in
einer  Anzahl  von  Wurzeln  erhielt.  Wenden  wir  aber  unsern
Blick  über  diese  Sprachen  hinaus,  so  begegnen  wir  allenthalben
diesen  Combinationen,  so  dass  man  eine  erst  späte  Auflösung
und  Erleichterung  anzunehmen  genöthigt  ist.  Leo  Meyer  be-
            
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