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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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H  a  r  t  e  1

weitgehende  Folgerungen  aus  ihnen  abzuleiten,  desto  mehr
scheint  es  Pflicht  und  Aufgabe  des  Philologen,  den  thatsächlichen
  Umfang  und  die  Bedingungen  derselben  zu  bestimmen.
Die  folgenden  Untersuchungen  behandeln  nur  den  einen  Punkt,
die  Verlängerung  kurzer  Schlusssilben  im  Homerischen  Verse,
welcher,  auf  einen  kleineren  Kreis  von  Fällen  beschränkt,  einige
sichere  Resultate  zu  liefern  verspricht.  Ob  diese  bedeutend
genug  erscheinen  und  eine  erneute  Behandlung  des  Gegenstandes ­
  von  meiner  Seite  entschuldigen,  das  mögen  die  folgenden ­
  Blätter  entscheiden.  Dass  aber  eine  erneute  Untersuchung
durchaus  berechtigt  ist,  das  wird  ein  Blick  auf  die  mir  bekannten ­
  Behandlungen  der  Frage  darthun.
Abgesehen  von  gelegentlichen  Bemerkungen  der  Homerinterpreten ­
  (z.  B.  Clarke’s  zu  A  51)  hat  zuerst  G.  Hermann
in  seinen  metrischen  Arbeiten  (EDM.  p.  42  ff.)  und  ausführlicher ­
  in  der  Schrift  de  aetate  scriptons  Argonauticorum  (Orphica
  II.  p.  697  f.)  die  Längungen  im  Homerischen  Verse
besprochen.  In  dem  Capitol  derselben:  de  productione  brevium
syllabanim  ob  caesuram  ist  es  ihm  hauptsächlich  darum  zu
thun,  für  ähnliche  Licenzen  späterer  Epiker  die  gleichen  Fälle
des  altepischen  Verses  zusammenzubringen,  also  um  Constatirung
  des  Thatsächlichen  in  bestimmt  abgegrenztem  Umfang;
eine  Erklärung  dieser  Erscheinungen  lag  fern.  Die  Elemente!
doctrinae  metricae  deuten  wenigstens  eine  solche  an  (p.  43,  45,
56,  60);  aber  nicht  in  dem  etymologischen  Ursprünge  der
Form  und  dos  Wortes  wird  dieselbe  gesucht,  sondern  theils
in  der  leichten  Verdoppelung  der  Liquiden,  besonders  aber  in
dem  Accent,  dem  kraftvollen  Ansetzen  der  Stimme  am  Vcrsanfang
  und  in  der  Interpunction.  Dem  metrischen  Bedürfniss
wird  an  der  Verlängerung  ein  bescheidener  Anthcil  eingeräumt, ­
  nur  in  Wortformen  wie  äOävatsc  aTiovssaOa'.,  die  sonst
für  das  daktylische  Maass  unbrauchbar  waren.  Nichts  als  eine
nur  etwas  eingehendere  Entwickelung  dieser  Gesichtspunkte
ist  es,  welche  F.  Spitzner  (De  versu  Graecorum  lieroico,  Leipzig ­
  1816)  seinem  durch  fleissige  Sammlung  ausgezeichneten,
noch  heute  brauchbaren  2.  Capitel:  de  syllabarum  brevium  in
Homericis  carminibus  productione  (p.  14  ff.)  vorausschickt.  Was
Hermann  erlässlich  war,  unter  diese  Gesichtspunkte  die  Masse
der  Fälle  einzureihen  und  den  nicht  eben  unbedeutenden  Rest,
            
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