342
Schenkl.
Ein in V oft vorkommender Fehler, durch welchen Wörter
ganz entstellt worden sind, besteht darin, dass die Consonanten
oder auch überhaupt die Buchstaben von zwei Sylben
vertauscht wurden. Solche Fälle sind z. B. II, 154 examinat
statt exanimat, V, 624 vidi statt divi, öfters regit statt gerit
(vgl. Anmerkung- 24), auch nepotes statt penätes (I, 721,
II, 595, III, 14), parentes statt penates (VII, 50; vgl. die
Loseart in C v.. 145), parentis statt paterni (III, 346), spatioque
statt stipatque (VII, 557), genitor statt segnior (V, 586). Die
meisten dieser Verderbnisse sind nun allerdings schon entdeckt
und beseitigt; einige aber sind noch unbemerkt geblieben. So
jenes festinaque statt funestaque II, 191, worüber ich schon in
Anm. 11 gesprochen habe, dann VIII, 136 inflexit statt
infelix, was man seltsamer Weise so lange im Texte geduldet
hat; infelix steht mit Rücksicht auf das Geschick, welches
den Absyrtus bei der Verfolgung treffen sollte (vgl. IV,
118, VII, 371), V, 207 fluentis statt futuris, was Ph. Wagner
zuerst mit Recht als sinnlos bezeichnet hat, ohne aber mit
seinem Vorschläge Pheraeis das Richtige zu treffen (Phil. XX,
639 f.), V, 140 clausis statt celsis, woran schon Burmann Anstoss
genommen hat; clausa antra könnten höchstens unterirdische
Höhlen sein, und so erklärt diese Worte auch J. Wagner;
warum sollen aber die Chalyber in Höhlen unter der Erde
gearbeitet haben? Auch würde man den Schall der Hämmer
dann schwerlich weit draussen auf dem Meere vernommen
haben. Vielleicht lässt sich auch so das verderbte externo
(I, 63 et dabat externo liventia mella veneno) verbessern. Die einzig
mögliche Erklärung dieses Wortes ist die schon von älteren
Erklärern gegebene und neuerdings von Delamallc und Weichert
(Act. sem. reg. Lips. II, 1, 329) verthcidigte ,ab oris externis
allato‘. Doch wozu sollte Medea diese venena aus der Fremde
holen, da sie doch, wie Heinsius treffend bemerkt, den Kau-'
kasus, die Heimat solcher Giftkräuter (VII, 357), in ihrer
Nähe hatte und die Colchica venena sprichwörtlich waren. Die
Conjectur hesterno, die zuerst in der Bon. II erscheint, hilft
den Schwierigkeiten nicht ab; denn fasst man hesterno gleich
pridie, so ist dies, wie Weichert mit Recht hervorhebt, ein
ebenso matter als ungeschickter Ausdruck und das Auskunftsmittel,
welches Ph. Wagner (Phil. XX, 618) vorschlägt, hesterno