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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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Sehen  kl.

können.  Mit  villus,  was  Thilo  vorschlägt,  ist  nichts  geholfen.
Eben  so  ist  die  Conjectur  Meynke’s  (Q.uaest.  Val.  p.  52)  templa
für  terga  verfehlt.  Einen  Tempel  des  Mars  gab  es  nämlich  gar
nicht,  sondern  nur  einen  heiligen  Hain  (Upov  a'kjs;  Apoll.  IV,
100,  123,  330,  vgl.  in  unserem  Gedichte  V,  640  ff.),  welcher  allerdings ­
  ganz  gut  tempiuni  genannt  werden  kann;  diese  Bedeutung
,heiliger  Bezirk  (Tqj.svs;),  Heiligthum'  hat  ja  auch  templa  V,  632,
VIII,  438,  wo  sich  dies  besonders  aus  der  letzteren  Stelle  ganz
deutlich  ergibt.  Da  aber  ipsa  hier  jedenfalls  eine  Steigerung  bezeichnet, ­
  so  kann  templa  nicht  richtig  sein;  denn  die  heilige  Eiche
mit  dem  Vliesse  bildet  doch  den  Mittelpunkt  des  tempiuni  und  ihre
Verunreinigung  ist  daher  noch  viel  schrecklicher  als  die  Befleckung ­
  des  Haines.  Wol  aber  kann  man  sich  ipsa.  mit  terga
verbunden  denken,  wenn  statt  vellera,  ein  anderes  Wort  gesetzt
wird,  das  eine  minder  bedeutende  Sache  bezeichnet.  Ich  vermuthe
  daher,  dass  vellera  eine  Glosse  ist,  welche  terga  erklären
sollte,  und  dass  diese  Glosse  das  echte  Wort  quercus  verdrängt
hat.  So  erhalten  die  Worte  einen  treffenden  Sinn:  damit  nicht
der  heilige  Baum  und  selbst  das  an  diesem  aufgehängte  Vliess
vom  Blute  des  Frevlers  befleckt  die  Spuren  desselben  bewahre.
Kehren  wir  nun  zu  unserer  Stelle  (VII,  83)  zurück,  so  wird
man  bei  dem  Umstande,  dass  im  Archetypus  mehrfache  Glossen
nachzuweisen  sind,  auch  hier  an  eine  Erklärung  von  praeceps
durch  subito  und  an  eine  Verdrängung  des  echten  Wortes  denken
dürfen,  welches  wol  nur  raptus  oder  actus  gewesen  sein  kann.
Von  VersumStellungen  finden  wir  in  diesem  Buche  zwei
Beispiele.  Es  müssen  nämlich,  wie  Thilo  (LXI)  richtig  erkannt
hat,  die  beiden  Gruppen  von  je  acht  Versen  276—283  und
284—291  ihre  Plätze  wechseln.  Es  ist  sehr  wol  möglich,  dass
diese  Störung  schon  von  dem  Herausgeber  durch  Versetzung
zweier  Blätter  verursacht  wurde;  und  da  die  andere  Stelle,
nämlich  295  und  296,  welche  Meynke  (Q.uaest.  Val.  p.  50)  mit
Recht  umgestellt  hat,  in  derselben  Partie  vorkommt,  so  kann
auch  diese  Verwechslung  den  gleichen  Ursprung  haben.
Die  offenbarsten  Beweise  aber  für  unsere  Annahme,  dass
das  Gedicht  unfertig  von  dem  Dichter  hinterlassen  wurde,
liefert  das  achte,  wie  schon  gesagt,  unvollständige  Buch.  So
ist  es  undenkbar,  dass  Valerius  auf  v.  139  unmittelbar  140
folgen  Hess,  wie  dies  schon  Weichort  (in  seiner  Ausgabe  des
            
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