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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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Schenkl.

führte,  sondern  sie  erst  später  einzuflechten  gedachte.  Es  lassen
sich  freilich  noch  zwei  andere  Möglichkeiten  denken.  So  konnte
der  Dichter  erst  bei  der  Ausarbeitung-  des  siebenten  Buches
auf  den  Gedanken  kommen  auch  den  Iphis  im  Kampfe  gegen
Perses  fallen  zu  lassen,  um  so  eine  grössere  Abwechslung  in  die
Schlachtenbilder  des  sechsten  Buches  zu  bringen;  da  er  aber
das  Gedicht  keiner  Ueberarbeitung  unterzog,  so  blieb  das  sechste
Buch  so,  wie  es  entworfen  war,  und  nur  im  ersten  Buche
wurden  VII,  423  entsprechend  einige  Verse  441—443  eingeschoben. ­
  Auch  konnte  Valerius  das  sechste  Buch  später  ausgeführt
  haben  als  das  siebente  und  erste  und  dabei  zum  Entschlüsse ­
  gekommen  sein  bloss  Canthus  im  Kampfe  fallen  zu
lassen,  was  natürlich  bei  einer  Ueberarbeitung  des  Gedichtes
die  Streichung  von  VH,  423  und  die  Umänderung  von  I,  441  ff.
nach  sich  gezogen  haben  würde.  Doch  sind  diese  beiden  Erklärungsarten ­
  weit  weniger  wahrscheinlich.
Auch  das  siebente  Buch  verräth  an  mehreren  Stellen,
dass  der  Dichter  noch  nicht  die  letzte  Hand  an  sein  Work  angelegt ­
  hatte.  Eine  solche  Stelle  ist  v.  57,  an  welchem  bisher
noch  Niemand  Anstoss  genommen  hat,  obwol  er  den  Zusammenhang ­
  in  auffallender  Weise  stört.  Es  liegt  auf  der  Hand,
dass  sich  v.  58  si  tarnen  hin  aliter  perstas  non  cedere  terris  unmittelbar ­
  an  die  nachdrucksvolle  Betheurung  ante  meus  caesa
dencendet  Gaucasus  umbra  u.  s.  w.  anschliesst.  Zudem  ist  der
Ausdruck  in  v.  57  so  unvollständig  (zu  statni  müsste  doch  noch
ad  aram  hinzugefügt  werden),  der  Gedanke  so  abgerissen,  dass
man  in  diesem  Verse  nur  eine  Randbemerkung  des  Dichters
sehen  kann,  die  ihm  gewissermassen  als  ein  Merkzeichen  bei
der  späteren  Ueberarbeitung  dienen  sollte.  Offenbar  wollte
er  den  Aeetes  sagen  lassen:  Nicht  ich  bin  die  Ursache,  wenn
das  goldne  Vliess  im  Lande  der  Kolcher  ist;  ich  habe  ja
nicht  die  Helle  und  den  Phrixus  am  Altäre  schlachten  wollen.
Auch  würde  Aeetes  jedenfalls,  wenn  Valerius  diese  Stelle  ausgeführt ­
  hätte,  auf  Hie  freundliche  Aufnahme  des  Phrixus  in
Kolchis  hingewiesen  haben  (vgl.  I,  519  ff.).  Wo  dies  eingeflochten ­
  werden  sollte,  ist  ungewiss;  nur  kann  dies  nicht  an
dem  Orte,  wo  jetzt  v.  57  steht,  beabsichtigt  gewesen  sein,
weil,  wie  gesagt,  v.  56  und  58  unmittelbar  zusammenpassen.
            
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