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Sehen kl.
sie die Lücken im Texte nicht aus und Hessen manche vom
Dichter verworfene oder Doppelverse stehen. Bei der Einordnung
von Versen, welche Vergil am Rande beigefügt, oder
solcher Stücke, die er auf besonderen Blättern entworfen hatte,
verfuhren sie nicht mit der nöthigen Umsicht, und so ist denn
ein guter Thcil jener Störungen, welche sich in unseren Handschriften
vorlinden, schon auf jene Herausgabe zurückzuführen
(Ribbeck Prolegg. p. 88 ff.). Da man in Rom dem langsam
fortschreitenden Werke, von welchem man das Höchste erwartete,
mit grosser Ungeduld entgegensah und namentlich
Augustus wenigstens einige Partien desselben kennen zu lernen
wünschte, so entschloss sich Vergil einzelne Bücher, wenn sie
auch nicht vollständig vollendet waren, in gewählten Kreisen
vorzulesen. So recitierte er das sechste Buch (um 22 v. Chr.,
etwa sieben Jahre, nachdem er die Aeneis begonnen hatte), das
vierte und wahrscheinlich das erste (Ribbeck Prolegg. p. 58,
vgl. die Vita Vergib in der kleineren Ausgabe von Ribbeck
p. XXVII). Ich habe diese, allerdings bekannten Thatsachen
hier deshalb erwähnt, weil sie uns in der folgenden Erörterung
vielfach als Ausgangspunkt dienen werden.
Von den Argonautica des Valerius sind bekanntlich sieben
Bücher und von dem achten der grössere Theil, nämlich 467
Verse, auf uns gekommen. Das Gedicht schliesst in seiner
jetzigen Gestalt mit der Verfolgung des Jason und der Medea
durch deren Bruder Absyrtus; daher musste noch die Erzählung
von dem Morde des Absyrtus, den weiteren Fahrten
der Argonauten und ihrer Heimkehr folgen, wie man dies bei
Apollonios im vierten Buche von 391 an bis zu Ende findet. 4 )
Darnach lässt sich mit Sicherheit schliesscn, dass das Gedicht
mindestens auf zehn Bücher berechnet war. Da aber gerade
•) Wenn Maser zu I, 218 vermuthet, dass Valerius, weil er den Mopsus in
seiner Verzückung auch den Flammentod der Creusa, den Mord der Kinder
durch Medea und ihre Flucht auf dem Drachenwagen andeuten lässt,
auch diese Dinge in seinem Epos behandeln wollte, so ist dies nicht glaublich.
Valerius würde sicher sein Gedicht wie Apollonios mit der glücklichen
Heimkehr der Argonauten geschlossen haben. Dass er aber in
dieser Weissagung und nochmals in dem Bilderschmucke des Palastes des
Aeetes (V, 442 ff.) das künftige Geschick des Jason und der Medea andeutet,
ist ein feiner dichterischer Zug.