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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

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Sehen  kl.

Aus  dem  Prooemium  der  Argonautica  ersehen  wir,  dass
Valerius  zu  dem  Collegium  der  sibyllinischen  Fünfzehnmänner
gehörte  (5  ff.),  dass  er  sein  Gedicht  dem  Vespasian  gewidmet
(7  ff.)  und  das  Prooemium  nicht  lange  nach  der  Einnahme  von
Jerusalem  durch  Titus  (70  n.  Chr.,  vgl.  12  f.)  ahgefasst  hat.
Wenn  wir  noch  hinzufügen,  dass  man  aus  Quintilian  X,  1,  90
(multum  in  Valerio  Flcicco  nuper  amisimus)  die  ungefähre  Zeit
seines  Todes  erschliessen  kann  (denn  die  Institutiones  sind  um
90  n.  Chr.  ahgefasst  und  somit  ist  Valerius  jedenfalls  vor  dieser
Zeit  gestorben),  so  sind  alle  Nachrichten  über  das  Leben  unseres ­
  Dichters  erschöpft.  Dass  der  Freund  des  Martial,  Flaccus
aus  Patavium,  nicht,  wie  man  früher  glaubte,  mit  Valerius  identisch ­
  ist,  hat  Thilo  (V  ff.)  überzeugend  nachgewiesen.
Betrachten  wir  nun  das  Prooemium  näher,  so  muss  uns
auffallen,  dass  trotz  der  Widmung  an  Vespasian  eigentlich
Domitian  als  Hauptperson  in  demselben  hervortritt.  Ich  denke
hiebei  nicht  an  das  reiche  Lob,  welches  den  dichterischen  Bestrebungen ­
  des  Domitian  gespendet  wird  und  sich  namentlich
2 )  Wenn  ich  hier,  trotzdem  in  neuester  Zeit  sich  A.  Imhof  (T.  Flavins  Domitianus,
  Halle  1857,  S.  130  ff.)  und  A.  Breysig  in  seiner  Ausgabe  der
Aratea  (Berlin  1867,  S.  XII)  für  Germanicus  als  Verfasser  jener  Uebersetzung
  ausgesprochen  haben,  wieder  für  die  Ansicht  von  Rutgers  (Var.
lect.  II,  9,  S.  122  f.)  eintrete,  wornacli  dieselbe  eine  Arbeit  des  Domitian
ist,  so  tliue  ich  dies  aus  guten  Gründen.  Allerdings  lautet  in  den
meisten  und  ältesten  Handschriften  der  Titel  Claudi  Caesaris  Aratea  und
wird  das  Gedicht  bei  Lactantius  (Inst.  div.  I,  11  und  21,  V,  5,  4)  und
Hieronymus  (ad  Tit.  I,  1)  unter  dem  Namen  des  Germanicus  Caesar  citiert,
wie  sich  denn  der  Name  Germanicus  auch  in  einigen  jüngeren  Handschriften ­
  und  der  editio  princeps  findet.  Aber  hierauf  alles  Gewicht  zu
legen  wäre  doch  voreilig.  Denn  da  Domitian  seit  8,4  immer  Germanicus
Augustus  (Quint.  X,  1,  91),  von  den  Dichtern  auch  bloss  Germanicus  genannt ­
  wurde,  so  konnte  man  seine  Aratea  recht  wol  als  die  Germanici
Augusti  oder  bloss  Germanici  bezeichnen,  was  in  späteren  Zeiten  die  Verwechslung ­
  mit  dem  Sohne  des  Drusus  und  die  Umänderung  des  Titels
herbeiführen  mochte.  Auch  wäre  es  möglich,  dass  unter  der  Regierung
des  Domitianus  in  die  ursprüngliche  Aufschrift  Domitiani  Caesaris  Aratea
noch  Germanici  eingefügt  wurde  und  daraus  jenes  Germanici  Caesaris
entstand.  Ja  aus  Martial  II,  2,  4  (et  puer  hoc  dignus  nomine,  Caesar,
eras)  könnte  man  sogar  folgern,  dass  Domitian  schon  als  pver  den  Beinamen ­
  Germanicus  geführt  habe,  wiewol  es  ratlisamer  ist  die  Worte  so
zu  verstehen:  ,Du  hättest  schon  als  puer  diesen  Namen  führen  sollen 1 ,
womit  der  Schmeichler  auf  jene  Reise  nach  Gallien  mit  Mucianus  an-
            
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