208
H a'u p t.
2799 aus dem XV. Jahrhundert bezeichnet) sagt, dass an vielen
Stellen alle Verwandtschaft mit dem Originaltext zerstört sei,
so ist dies durchaus falsch; vollends wenn er kaum mehr das
Eigenthum des Verfassers darin sehen will, so ist das eine
noch grössere Uebertreibung, die mitgetheilten Stellen führen
vollkommen den Gegenbeweis. Was Rückert von Einschüben
und Zusätzen spricht, ist durchaus unrichtig, gerade diese Recension
sucht nicht den Text zu mehren, sondern die oft sehr
verschwommenen Worte Philipps zu concentriren. Schon arithmetisch
lässt sich zeigen, dass wir es mit keinem angeschwellten
Texte zu thun haben. Mit der Schlussrede zählt Philipps
Werk in Rückerts Ausgabe 10,133 Verse. Multiplicirt man
nun 70 Blätter mit 4 Spalten, so muss von 280 eine Spalte
70 a abgezogen werden; diese Zahl der Spalten 279 mit der Zahl
der Zeilen 36 multiplicirt gibt 10,044 Zeilen, also weniger als
Rückert hat, und davon müssen zum mindesten noch 300
Zeilen als Ueberschriften der Abschnitte weggerechnet werden.
Ich habe schon oben gesagt, dass auf 71“—72° von einem
Cistercienser aus dem Stifte P o m u k oder Nepomuk ein Gedicht
an die Jungfrau Maria eingetragen ist. Ich will es hersetzen
zum Schlüsse dieses Abschnittes und bemerke nur, dass
die Verse hinter einander wie Prosa nur durch Punkte geschieden
über die ganzen Quartseiten hingeschrieben sind, ohne
alle Interpunction, mit einigen Abkürzungen, die ich bis auf
wenige aufgelöst habe, die Orthographie selber sowie alles andere
ist streng beibehalten. Die Punkte bezeichnen unlesbares. Beiden
Blättern fehlen oben mindestens je eine Zeile, die weggeschnitten
sind. Denn das Gedicht wurde eingeschrieben, noch ehe die
Hs. gebunden war, wesshalb nicht einmal auf den Falz vom
Schreibei' Rücksicht genommen wurde.
(M)aria vil reyne meit, dein hoh lop dein wird preit
nie zvnge moht volpreizen; enpfach von mir vnweizen
ein lobelin nicht ein lob; daz ich vor vnwizt so tob
vnd getar sprechen von dir daz vergib du, vrouwe, mir!
10 daz ich in grozeu sunden dein lop getar geehünden,
daz tun ich vf genad dein, du rehter barmunge srein!
Daz Eua den apfel az geshach von dez teuvelz haz,
da von wir geuielen all leider in des todes vall,
piz di volle ceit bequam daz got mit einem weibz nam