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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

204

Haupt.

wie  die  andern  mitteldeutschen  Hss.  J  II  P  es  auch  gethan
hatten,  wenn  auch  in  einem  viel  minderen  Masse.  Die  k.  k.
Hofbibliothek  verwahrt  aber  unter  Nummer  Suppl.  2596  von
einer  Hs.  vier  Blätter,  worauf  von  Philipps  Text  die  Verse
2370—2900  zweispaltig  zu  je  33  linierten  Zeilen  mit  rothen
Uebei'schriften  der  Abschnitte  von  einer  starken  festen  Hand
um  die  Mitte,  wo  nicht  in  der  ersten  Hälfte  des  XIV.  Jahrhunderts ­
  geschrieben  sind.  Auch  diese  Hs.  war  bis  jetzt  unbekannt. ­
  Ich  habe  diese  vier  Blätter  oder  diese  zwei  innersten
Doppelblätter  einer  Lage  von  den  Deckeln  der  Hs.  4391  vormals
Wiener  Universitätsbibliothek  581  abgelöst,  von  denen  1  stark,  2
und  3  weniger,  alle  aber  durch  die  Schere  und  den  Leim  des
Buchbinders  an  dem  äusseren  Rande  und  im  Texte  geschädigt
wurden.
Diese  vier  Blätter  sind  der  Rest  einer  Hs.,  deren  Schreiber
oder  seine  Vorlage  den  Versuch  gemacht  hat,  den  Text  Philipps ­
  in  mhd.  Sprache  und  strenghöfische  Verse  umzuschreiben,
ein  Versuch  von  dem  keine  andere  der  bisher  betrachteten  Hss.
etwas  weiss.  Derselbe  ist  um  so  merkwürdiger,  als  er  sich
eigentlicher  Zusätze  und  Einschübe  vollständig  enthält,  und  das
Werk  nicht  durch  überflüssige,  sinnlose  und  abgeschmackte
Wunder  zerstört.
Diese  nämliche  Recension  ist  auch  enthalten  in  der  Hs.
2709  der  k.  k.  Hofbibliothek.  Philipps  Werk  ist  hier  auf
f.  1—70  in  je  zwei  Spalten  jede  zu  je  36  linierten  Zeilen  mit
rothen  Ueberschriften  der  Abschnitte  um  die  Mitte  des  XIV.
Jahrhunderts  geschrieben;  und  zwar  mit  der  bairisch-österreichischen ­
  Diphthongierung  der  langen  Vocale,  doch  so,  dass
dem  Schreiber  eine  bedeutende  Zahl  dieser  Längen  entschlüpft
ist.  Der  Inhalt  der  4  Blätter  in  Suppl.  2596  findet  sich  hier
genau  17 b  Vers  33—21"  Vers  17.  Auch  diese  Hs.  stammt  aus
der  Wiener  Universitätsbibliothek,  wohin  sie  aus  dem  Vermächtnis ­
  des  Bischofs  Johann  es  Fab  er 1  von  Wien  und
Wiener  Neustadt  gekommen  war.  Aber  schon  früher  war
dieselbe  im  österreichischen  Besitze.  Auf  dem  vorderen  Vorstichblatte ­
  stehen  die  Worte  ,Pro  domino  Mawtner  in  Ascha
1  Johannes  Faber  starb  am  21.  Mai  1541.  Derselbe  war  zu  Leutkirch  in
Schwaben  geboren,  und  bereits  1523  Coadjutor  von  Wiener-Neustadt.  S.
Potthast  Bibliotheca  historica  .  .  Suppl.  S.  440.
            
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