Bruder Philipps Marienlehen.
177
II.
Das Stift Admont in Steiermark besitzt eine Papierhs.
vom Jahre 1351, 1 von der bereits H. Hoff mann von Fallersleben
in den altdeutschen Blättern 2, 82 nur die kurze Nachricht
gegeben hat, dass dieselbe eine gereimte Bearbeitung der
Evangelien enthalte. Aus den mitgetheilten Schlussversen hat
Gr ö d e lc e MA. S. 110, 28 geschlossen, dass nicht nur die Evangelien,
sondern auch ein iVfarienleben in dieser Hs. enthalten
sein müsste. Das war kein falscher Schluss.
Die Hs. besteht aus 108 Blättern in 8°, auf denen
eine Bearbeitung der Evangelien in eingerahmten aber nicht
linierten Zeilen versweise geschrieben ist. Die Seite zählt
durchschnittlich 33 Zeilen. Jedes Evangelium beginnt mit
einer rothen Initiale, die Majuskeln der herausgerückten
ersten Verse jedes Reimpaares sind roth durchstrichen. Das
ist auch der ganze Schmuck, den sich der im Ganzen ziemlich
nachlässige Schreiber gestattet hat. Offenbar sind er oder der
Erzeuger der Hs. mehr fromm als reich gewesen, denn sie
haben bereits benütztes Papier auszunutzen gesucht. So sieht
man auf 34 b unten acht lateinische Hexameter und Pentameter,
die aber mit rothen und schwarzen, krummen und geraden
Strichen so überzogen sind, dass sich nur einzelne Worte entziffern
lassen. Diese lateinischen Verse standen aber darauf,
ehe der Bogen gekehrt und für die Evangelien benützt wurde.
Ebenso ist auf 107 b zu lesen ,Dem erbern man Pereto* was
auf 108 1 ’ mehrmals wiederholt wird und zwar vollständiger.
Das zweitemal lautet es blos ,Dem erbern man perctolden dem
Ratgeben*, dagegen das drittemal ,Dem erbern man pertolten
dem Ratgeben Richtere ze Radstat enb . . ich Jans Holfüs
prüder.* 2
1 Dass ich diese Hs. hier in Wien benützen konnte, dafür sage icli dem
hocliw. Herrn Direetor Dr. E. Peinlich des k. k. Staatsgymnasiums
Und Capitular des Stiftes Admont hiemit den gebührenden Dank. Ohne
die freundliche Gewährung meiner Bitte um diese Hs. wäre vieles dunkel
geblieben in der Ueberlieferung des Philippischen Textes.
2 Die Ratgeben waren eine an der mittleren Donau verbreitete Familie.
Diesen Berchtold den Ratgeben und Richter zu Radstadt bin ich nicht
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LXVIII. Bd. II. Hft. 12