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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 68. Band, (Jahrgang 1871)

Bruder  Philipps  Marienlehen.

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II.

Das  Stift  Admont  in  Steiermark  besitzt  eine  Papierhs.
vom  Jahre  1351, 1  von  der  bereits  H.  Hoff  mann  von  Fallersleben ­
  in  den  altdeutschen  Blättern  2,  82  nur  die  kurze  Nachricht ­
  gegeben  hat,  dass  dieselbe  eine  gereimte  Bearbeitung  der
Evangelien  enthalte.  Aus  den  mitgetheilten  Schlussversen  hat
Gr  ö  d  e  lc  e  MA.  S.  110,  28  geschlossen,  dass  nicht  nur  die  Evangelien, ­
  sondern  auch  ein  iVfarienleben  in  dieser  Hs.  enthalten
sein  müsste.  Das  war  kein  falscher  Schluss.
Die  Hs.  besteht  aus  108  Blättern  in  8°,  auf  denen
eine  Bearbeitung  der  Evangelien  in  eingerahmten  aber  nicht
linierten  Zeilen  versweise  geschrieben  ist.  Die  Seite  zählt
durchschnittlich  33  Zeilen.  Jedes  Evangelium  beginnt  mit
einer  rothen  Initiale,  die  Majuskeln  der  herausgerückten
ersten  Verse  jedes  Reimpaares  sind  roth  durchstrichen.  Das
ist  auch  der  ganze  Schmuck,  den  sich  der  im  Ganzen  ziemlich
nachlässige  Schreiber  gestattet  hat.  Offenbar  sind  er  oder  der
Erzeuger  der  Hs.  mehr  fromm  als  reich  gewesen,  denn  sie
haben  bereits  benütztes  Papier  auszunutzen  gesucht.  So  sieht
man  auf  34 b  unten  acht  lateinische  Hexameter  und  Pentameter,
die  aber  mit  rothen  und  schwarzen,  krummen  und  geraden
Strichen  so  überzogen  sind,  dass  sich  nur  einzelne  Worte  entziffern ­
  lassen.  Diese  lateinischen  Verse  standen  aber  darauf,
ehe  der  Bogen  gekehrt  und  für  die  Evangelien  benützt  wurde.
Ebenso  ist  auf  107 b  zu  lesen  ,Dem  erbern  man  Pereto*  was
auf  108 1 ’  mehrmals  wiederholt  wird  und  zwar  vollständiger.
Das  zweitemal  lautet  es  blos  ,Dem  erbern  man  perctolden  dem
Ratgeben*,  dagegen  das  drittemal  ,Dem  erbern  man  pertolten
dem  Ratgeben  Richtere  ze  Radstat  enb  .  .  ich  Jans  Holfüs
prüder.* 2

1  Dass  ich  diese  Hs.  hier  in  Wien  benützen  konnte,  dafür  sage  icli  dem
hocliw.  Herrn  Direetor  Dr.  E.  Peinlich  des  k.  k.  Staatsgymnasiums
Und  Capitular  des  Stiftes  Admont  hiemit  den  gebührenden  Dank.  Ohne
die  freundliche  Gewährung  meiner  Bitte  um  diese  Hs.  wäre  vieles  dunkel
geblieben  in  der  Ueberlieferung  des  Philippischen  Textes.
2  Die  Ratgeben  waren  eine  an  der  mittleren  Donau  verbreitete  Familie.
Diesen  Berchtold  den  Ratgeben  und  Richter  zu  Radstadt  bin  ich  nicht
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LXVIII.  Bd.  II.  Hft.  12
            
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