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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  ans  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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dem  christlichen  Oriente  und  Occidente  im  ersteren  sich  rein
zur  Personalfrage  verkehrte,  ob  Ignatios  oder  Photios  Patriarch
von  Gonstantinopel  bleiben  sollte.  Als  die  Bulgaren  den  entscheidenden ­
  Schritt  thaten,  sich  an  Rom  wandten  und  von  dort
einen  Patriarchen  verlangten,  Rom  somit  auf  dem  Punkte
stand,  seine  illyrische  Kirchenprovinz  durch  die  Bekehrung  der
Bulgaren  wieder  zu  gewinnen,  musste  man  in  Constantinopel
fühlen,  dass  man  endlich  auf  hören  müsse,  zwischen  Bilderzerstörung ­
  und  Bilderverehrung  hin  und  herzuschwanken,  da
wichtigere  Interessen  als  diese  auf  dem  Spiele  standen.  Es
gelang,  den  Einfluss  Rom’s  auf  die  Bulgaren  zu  paralysiren,
jedoch  ohne  das  Andringen  der  Bulgaren  auf  politische  Gleichstellung ­
  mit  dem  byzantinischen  Reiche  abthun  zu  können.
Da  man  aber  versäumt  hatte,  aus  Bulgaren  und  Romäern  Ein
Reich  zu  machen,  wie  aus  Franken  und  Gallorömern  ein  Reich
geworden  war,  trat  jetzt  das  Schreckbild  eines  bulgarischen
Kaiserthums  an  die  Mauern  von  Constantinopel  heran  und  die
neue  makedonische  Dynastie  schien  verurtheilt  zu  sein,  es
ruhig  gewähren  zu  lassen.  Gerade  was  man  byzantinischer
Seits  sorgfältig  zu  verhindern  suchte,  war  eingetreten  und  theilweise
  durch  dieselben  Mittel,  die  das  Unheilvolle  abwenden
sollten.,  War  so  der  politische  Dualismus  fertig  und  schien
nun  nichts  die  Bulgaren  zu  hindern,  die  im  byzantinischen
Reiche  angesiedelten  Slaven  gutwillig  oder  gewaltsam  zu  einem
Grossstaate  zu  vereinigen,  der  vom  schwarzen  zum  adriatischen
Meere  reichen  sollte,  so  machte  sich  in  Bezug  auf  die  Frage,
ob  der  Patriarchenstreit  bis  zum  kirchlichen  Schisma,  zum
reli  giösen  Dualismus  gesteigert  werden  sollte,  zuletzt  denn  doch
der  einheitliche  Gedanke  mit  ganzem  Nachdrucke  geltend  und
wurde  nicht  blos  der  gelehrte  Photios  —  der  Träger  der
Schismaidee  —  beseitigt,  sondern  auch  die  Wiedererwerbung
einer  Stellung  in  Italien  und  Sicilien  mit  Nachdruck  betrieben.
Wiederholt  wurden  im  Laufe  des  X.  wie  des  XI.  Jahrhunderts
Anstalten  getroffen,  dem  Einflüsse  der  deutschen  Kaiser  auf
das  Papstthum,  das  ja  zuletzt  ganz  übermächtig  geworden  war,
den  byzantinischen  an  die  Seite  zu  stellen,  ja  ihn  geradezu  gewaltsam ­
  zu  verdrängen.  Man  konnte  bereits  sagen,  so  bald
die  deutschen  Kaiser  sich  als  Weltkaiser  zu  fühlen  begannen,
trat  ihnen  der  byzantinische  Kaiser  ebenso  entgegen,  wie  der
            
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