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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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ernst  es  dem  zweiten  sächsischen  Kaiser  war,  eine  arabische
Herrschaft  in  Italien  nicht  zu  dulden.  Allein  nie  konnte  man
sich  in  Byzanz  an  den  Gedanken  gewöhnen,  dass  der  Besitz
des  einen  Theiles  von  Italien  durch  die  Deutschen  und  die
Erlangung  der  italienischen  Königs-  wie  der  römischen  Kaiserkrone ­
  nicht  eine  Usurpation  sei?  Zum  Unglücke  beider  Reiche
und  der  ganzen  Christenheit  kam  dann  noch  der  Kirchenstreit
zwischen  dem  Abend-  und  Morgenland'e  dazu.  In  seiner  ersten
Auflage  unter  Pliotios  kaum  beseitigt,  brach  er  um  die  Mitte
des  XI.  Jahrhunderts  durch  den  Patriarchen  Michael  Caerularius
auf’s  Neue  aus  und  hinterliess  eine  kirchliche  Verstimmung,
die  der  Vorbote  des  Schisma’s  war  und  durch  nichts  mehr  gestillt
  werden  konnte,  selbst  nicht  durch  den  tugendhaftesten
Papst  des  XI.  Jahrhunderts,  den  deutschen  Leo  IX.  Es  war
als  wenn  jetzt  erst  alle  trennenden  Elemente  dem  byzantinischen
Volke  zum  -  Bewusstsein  kämen,  alle  nationalen,  politischen,
sprachlichen  und  kirchlichen  Gegensätze,  um  jene  dauernde
Antipathie  zwischen  Ost  und  West  zu  erzeugen,  die  eine  der
schlimmsten  Thatsachen  der  christlichen  Aera  ist.
Man  verzieh  es  den  Päpsten  nicht,  dass  sie  sich  der  Willkür ­
  der  Ikonoklasten  nicht  gefügt,  und  selbst  dann  nicht,  als
man  in  Constantinopel  bereits  mit  dem  Ikonoklasmos  gebrochen
hatte.  Das  byzantinische  Reich  sperrte  sich  als  solches  gegen
den  päpstlichen  Kirchensprengel  ab  und  zwar  nicht  blos  in
Illyricum,  sondern  auch  im  byzantinischen  Italien.  Und  ebenso
erkannte  man  die  neue  politische  Ordnung  des  deutschen
Kaiserreiches  nicht  an.  Man  verschloss  sich  vor  den  grössten
Thatsachen  des  IX.  und  X.  Jahrhunderts  und  gefiel  sich  darin,
allen  mit  dieser  neuen  Ordnung  der  Dinge  Unzufriedenen  einen
Schutz  zu  verleihen,  welcher  doch  nicht  ausgiebig  war,  sondern  *
nur  den  bösen  Willen  verrieth,  wie  sich  dieses  bei  der  vorübergehenden ­
  Erhebung  des  Griechen  Johannes  an  der  Stelle
Papst  Gregors  V.,  des  ersten  deutschen  Papstes,  997  hinlänglich ­
  zeigte.
Ö

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