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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Höfler.

hochheilige  Thron,  vor  allem  weil  er  frei  blieb  von  jedem
üblen  Gerüche  der  Häresie,  und  nie  Einer,  der  das  Gegentheil
annahm,  auf  ihm  sass,  sondern  er  unversehrt  die  apostolische
Gnade  bewahrte,  die  Hegemonie  über  die  Kirchen  des  Erdkreises ­
  besitze.  Da  aber  von  den  fünf  Patriarchaten  drei  in  die
Gewalt  der  Araber  gefallen  und  abgesehen  von  ihrer  Betheiligung ­
  an  Häresien  ohne  allen  Einfluss  auf  die  Entwicklung
kirchlicher  Begebenheiten  waren,  so  gestaltete  sich  die  Theorie
von  den  fünf  Patriarchen  bei  näherer  Beleuchtung  zur  Frage
über  das  Verhältniss  des  Patriarchen  von  Constantinopel  zum
Papste  und  Rom,  und  da  stand  ersterer  nicht  an,  sich'  als
Patriarch  des  Erdkreises,  tf t q  otx,oupivv]c,  zu  bezeichnen,  wenn
auch  bei  näherer  Erörterung  der  öeumenische  Patriarch  vielleicht ­
  nur  zum  Patriarchen  des  kaiserlich  byzantinischen  Erdkreises ­
  zusammengeschmolzen  wäre.  Hieran  scheiterte  aber
jedenfalls  jede  Rückgabe  der  dem  Papste  entrissenen  Kirchenprovinzen,
  wie  die  loyale  Anerkennung  des  karolingischen
Kaiserthums  an  dem  Umstande  scheiterte,  dass  Isaurer,  Armenier, ­
  Amorrhäer  und  Macedonier,  auch  wenn  sie  niemals  Kaiser
geworden  wären,  sich  unendlich  höher  dünkten,  als  alle  Franken
und  Germanen.  Die  Herrlichkeit  von  Constantinopel,  die  freilich
die  isaurische  Periode  nicht  vermehrt  hatte,  das  aber  doch  die
Stadt  ohne  Gleichen  war,  kam  ihnen  hierbei  vortrefflich  zu
Statten.  In  Deutschland  mussten  die  Städte  erst  aufgebaut
werden.  Einen  Vergleich  mit  Constantinopel  konnten  kaum
die  arabischen  Zauberstädte,  aber  nicht  Aachen,  Regensburg
oder  Magdeburg  wagen.
Zu  einem  offenen  ehrlichen  Verständnisse  mit  dem  Abendlande ­
  kam  es  jedoch  nicht  und  die  Schuld  hieran  liegt  meines
Erachtens  weniger  an  den  Occidentalen,  als  an  den  Orientalen.
Die  sächsischen  Kaiser  suchten  noch  später  wiederholt  politische
wie  Familienverbindungen  mit  den  byzantinischen  anzuknüpfen.
Es  war  im  X.  Jahrhunderte  kein  Geheimniss  in  Deutschland,
dass  die  Magyaren  in  Ungarn  und  die  Chalifen  von  Cordova
an  einem  Bündnisse  unterhandelten.  Schon  die  gemeinsame
Gefahr  musste  Deutsche  und  Byzantiner  einander  nähern.  Nicht
blos  letztere,  auch  jene  kämpften  mit  den  Arabern  und  die
grosse  Niederlage,  welche  Otto  II.  bei  Rossano  durch  die  Araber
erlitt  und  der  er  selbst  nur  mit  Mühe  entrann,  bewies,  wie
            
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