90
Höfler.
hochheilige Thron, vor allem weil er frei blieb von jedem
üblen Gerüche der Häresie, und nie Einer, der das Gegentheil
annahm, auf ihm sass, sondern er unversehrt die apostolische
Gnade bewahrte, die Hegemonie über die Kirchen des Erdkreises
besitze. Da aber von den fünf Patriarchaten drei in die
Gewalt der Araber gefallen und abgesehen von ihrer Betheiligung
an Häresien ohne allen Einfluss auf die Entwicklung
kirchlicher Begebenheiten waren, so gestaltete sich die Theorie
von den fünf Patriarchen bei näherer Beleuchtung zur Frage
über das Verhältniss des Patriarchen von Constantinopel zum
Papste und Rom, und da stand ersterer nicht an, sich' als
Patriarch des Erdkreises, tf t q otx,oupivv]c, zu bezeichnen, wenn
auch bei näherer Erörterung der öeumenische Patriarch vielleicht
nur zum Patriarchen des kaiserlich byzantinischen Erdkreises
zusammengeschmolzen wäre. Hieran scheiterte aber
jedenfalls jede Rückgabe der dem Papste entrissenen Kirchenprovinzen,
wie die loyale Anerkennung des karolingischen
Kaiserthums an dem Umstande scheiterte, dass Isaurer, Armenier,
Amorrhäer und Macedonier, auch wenn sie niemals Kaiser
geworden wären, sich unendlich höher dünkten, als alle Franken
und Germanen. Die Herrlichkeit von Constantinopel, die freilich
die isaurische Periode nicht vermehrt hatte, das aber doch die
Stadt ohne Gleichen war, kam ihnen hierbei vortrefflich zu
Statten. In Deutschland mussten die Städte erst aufgebaut
werden. Einen Vergleich mit Constantinopel konnten kaum
die arabischen Zauberstädte, aber nicht Aachen, Regensburg
oder Magdeburg wagen.
Zu einem offenen ehrlichen Verständnisse mit dem Abendlande
kam es jedoch nicht und die Schuld hieran liegt meines
Erachtens weniger an den Occidentalen, als an den Orientalen.
Die sächsischen Kaiser suchten noch später wiederholt politische
wie Familienverbindungen mit den byzantinischen anzuknüpfen.
Es war im X. Jahrhunderte kein Geheimniss in Deutschland,
dass die Magyaren in Ungarn und die Chalifen von Cordova
an einem Bündnisse unterhandelten. Schon die gemeinsame
Gefahr musste Deutsche und Byzantiner einander nähern. Nicht
blos letztere, auch jene kämpften mit den Arabern und die
grosse Niederlage, welche Otto II. bei Rossano durch die Araber
erlitt und der er selbst nur mit Mühe entrann, bewies, wie