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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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Constantinopel,  1  da  hörte  die  Sorge  um  das  Kaiserthum  und
den  Staat  auf,  die  Geschäfte  verfielen,  der  wissenschaftliche
Unterricht  schwand  und  das  Heerwesen  löste  sich  auf/  Es
lässt  sich  eben  weder  mit  Menschen,  noch  mit  Grundsätzen,
noch  mit  Ereignissen  spielen.
Im  byzantinischen  Reiche  war  es  endlich  zum  Abschlüsse
mit  dem  ikonoklastischen  Streite  und  zur  Begründung  einer
occidentalen  Dynastie,  der  makedonischen  (867)  gekommen.
Aber  die  Auseinandersetzung  mit  dem  nunmehr  kaiserlichen
Westen  Hess  noch  lange  auf  sich  warten.  Sie  konnte  auf
zweierlei  Weise  geschehen.
Es  konnte  erstens  ein  ehrliches,  offenes  Yerständniss  mit
dem  Abendlande  eintreten.  Dann  mussten  aber  1.  alle  Tendenzen,
den  Pontifex  und  den  Kaiser  zu  spielen,  aufgegeben,  2.  die
in  Illyricum  und  Italien  auf  Kosten  der  Päpste  stattgehabten
kirchlichen  Entfremdungen  wieder  rückgängig  gemacht,  3.  die
neue  weströmische  Kaiserwürde  unverholen  anerkannt,  den
Thatsachen  ein  für  alle  Mal  Rechnung  gepflogen  werden.
Allein  diesem  anscheinend  so  billigen  Verlangen  standen  viele
und  schwere  Bedenken  entgegen.  Im  byzantinischen  Reiche
herrschte  die  Anschauung  von  den  fünf  grossen  Patriarchen
vor,  die  an  der  Spitze  der  Christenheit  standen.  Sie  war  jedoch
nur  zu  Gunsten  des  Patriarchen  von  Constantinopel,  das  doch
nicht  wie  Jerusalem,  Antiochia,  Alexandria  oder  Rom  einen
Apostel  oder  Aposteljünger  zu  seinem  Stifter  hatte,  -  und  dessen
58  Bischöfe,  von  Metrophanes,  dem  ersten  historisch  beglaubigten
(im  Anfänge  des  IV.  Jahrhunderts),  bis  Methodius  von  Syrakus,
der  den  lkonoklasmos  842  beendete,  nicht  weniger  als  21
Häretiker  oder  Begünstiger  von  Häresien  unter  sich  zählten.
Gerade  in  der  jüngsten  Zeit  hatten  die  grossen  Theologen  der
ikonoklastischen  Verfolgungsperiode  den  Werth  der  vollen  Unabhängigkeit ­
  des  römischen  Stuhles  von  der  weltlichen  Macht
kennen  gelernt  und  hoch  geschätzt.  Von  dieser  Seite  war  den
hochgehenden  Fluthen  des  lkonoklasmos  Halt  geboten  worden.
Mit  Begeisterung  pries  daher  der  Grieche  Theodoret,  dass  dieser
1  Ed.  Bekker,  p ;  38.
2  Freilich  liiess  es  später,  der  hl.  Andreas  habe  die  Kirche  von  Byzanz  gegründet. ­
  Man  brauchte  eben  einen  Apostel  und  verschrieb  sich  denselben
so  gut  es  ging.
            
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