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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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zweitci-.  Man  hat  das  Verfahren  P.  Adrians  II.,  sich  von  Karl
d.  G.  inittelitalische  Städte  schenken  zu  lassen,  bitter  getadelt
und  in  diesem  Andrängen  des  Papstes  eine  starke  Unziemlichkeit ­
  erblickt. 1  Man  beachtete  aber  nicht,  um  was  es  sich  handelte. ­
  Um  nichts  Geringeres,  als  um  eine  Concentration
oder  Reorganisation  der  eigentlich  römischen  Bestandteile ­
  der  Bevölkerung  Mittelitaliens,  welche  sich
A r or  den  Langobarden  in  die  Städte  geflüchtet  hatten.  Die  somit
erfolgte  Begründung  weniger  des  Kirchenstaates  als  des  respublica
  Rom  an  a  vereinigte  den  römischen  Stamm  unter
seinem  natürlichen  Haupte  und  war  somit  vom  nationalen  Standpunkte ­
  aus  ein  Ereigniss  von  ganz  eminenter  Wichtigkeit.
Jetzt  gab  es  wieder  Römer,  ein  römisches  Volk,  und  dieses
römische  Volk  war  es,  welches  sodann,  unter  den  Auspicien
P.  Leos  III.,  den  Frankenkönig  Karl  zum  römischen  Kaiser
ausrief,  800,  nachdem  ihn  schon  Adrian  als  den  neuen  Kaiser
Constantin  gepriesen  hatte.  Der  Papst,  selbst  ein  Römer,  hatte
nur  gehandelt,  wie  die  Römer  fühlten.  Der  Riss  mit  Constantinopel
  war  erfolgt.  Rom,  die  alte  Hauptstadt  des  Erdkreises,
nahm  ihre  alten  Rechte  wieder  auf  und  der  bisherige  Kaiser
Constantinopels  sank  zum  griechischen  Kaiser  herab.  Der  Bund
des  römischen  Volkes,  das  die  Franken  zu  organisiren,  es
geradezu  wiederherzustellen  geholfen,  mit  dem  römischen
Stuhle,  der  anerkanntesten  Kirche  der  Welt,  hatte  diesen
colossalcn  Riss  in  die  damalige  christliche  Welt  gemacht,  der
Unverstand  der  Ikonöklasten  ihn  herbeigeführt.  Mochte  jetzt
auch  geschehen  was  immer,  die  Sache  war  nicht  mehr  gut  zu
machen.  Die  Befreiung  der  Römer  aus  der  Herrschaft  der
Langobarden  wie  der  Griechen  war  gleichzeitig  erfolgt,  der
König  der  Franken  ein  Kaiser  der  Römer  geworden.
Nicht  dadurch  konnte  mehr  geholfen  werden,  dass  den
Bilder  verbietenden  Synoden  von  726  und  754  eine  andere  entgegengestellt ­
  und  die  Verehrung  der  Bilder  787  erlaubt  wurde.
Der  Gegensatz  der  Anschauung  der  Orientalen  gegen  die  occidentalische
  Kirche  wurde  dadurch  nicht  aufgehoben,  die  Wirkung ­
  des  Streites  nicht  beseitigt,  die  unheilvollen  Folgen  nicht
1  Döllinger,  Papstfabeln,  die  Schenkung  Constantins  und  das  Kaiserthum
  Karls  d.  G.
            
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