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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Hofier,

man  sagt,  die  denkende  Welt  war  eine  andere  geworden  und
die  ganze  Zukunft  auf  eine  Basis  angewiesen,  die  dem  classischen
  Alterthume  fehlte.
Hatte  sich  das  vierte  Jahrhundert  abgemüht,  die  Einheit
des  römischen  Reiches  zu  bewahren,  ohne  dass  es  möglich  war,
bei  der  Grösse  und  Ausdehnung  desselben  und  dem  inneren
Dualismus  eines  lateinischen  und  eines  griechischen  Volkstheiles,
bei  dem  nationalen  Gegensätze  zwischen  Orient  und  Occident
in  dieser  Beziehung  entscheidend  durchzudringen,  so  verstreicht
das  V.  Jahrhundert  mit  der  Bewältigung  jener  germanischen
Invasionen,  die  man  die  Völkerwanderung  nennt,  mit  der  Ausscheidung ­
  der  hunnischen,  die  auf  einmal  sich  in  den  Kampf
der  Germanen  mit  den  Römern,  gleich  unheilvoll  für  jene  Zukunftsvölker ­
  wie  für  diese,  die  Repräsentanten  des  grössten
Culturreiches  der  Geschichte,  unberufen  cinmisehen  und
als  keiner  höheren  Idee  fähig,  gewaltsam  zur  Ausscheidung
gezwungen  werden  müssen.  Deutlich  tritt  bereits  im  V.  Jahrhundert ­
  die  Frage  heran,  ob  die  Geschichte  auch  künftig  im
Rahmen  des  römischen  Reiches  und  höchstens  noch  seines  orientalischen ­
  Gegensatzes,  des  neupersischen,  sich  bewegen  solle;
ob  die  ganze  grosse  Völkerströmung  der  germanischen  Völkerwanderung ­
  sich  in  das  römische  Reich  fast  wie  in  Sand  verlaufen ­
  und  ausserhalb  desselben  für  staatliche  Entwickelung
kein  Raum  mehr  vorhanden  sein  sollte  oder  nicht.  Denn  darüber
konnte  denn  doch  kaum  ein  Zweifel  vorhanden  sein,  dass,  wenn
die  eingewanderten  Germanen  mit  den  Römern  lange  zusammenwohnten, ­
  eine  Vermischung  stattfinden  und  das  in  der  Cultur
ältere  und  vorangeschrittene  das  jüngere  und  mehr  barbarische ­
  theils  absorbiren  theils  amalgamiren  werde.  Die
Fluthen  der  germanischen  Völkerwanderung  spülten  damals
das  gebrechliche  weströmische  Kaiserthum 1  hinweg;  das  nunmehr ­
  übrig  bleibende  und  zur  Einheit  zurückgeführte  that  das
Mögliche  wenigstens  den  Osten  dos  Reiches  zu  retten  und  die
Wanderung  von  sich  nach  dem  nicht  mehr  zu  rettenden  Westen
abzulenken,  bereitete  aber  dadurch  selbst  die  Möglichkeit  der
Restauration  des  Reiches  vor.

1  Komana  respublica  vel  jam  mortua  vel  certe  extremum  spiritum  ageute.
Salv.  de  gul).  Dei.  IV.
            
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