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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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den  Gemahl  seiner  eigenen  Schwester  Licinius,  seinen  Neffen,
wie  seinen  Sohn,  den  Caesar  Crispus  und  dessen  Stiefmutter.
Die  Einheit  war  hergestellt,  um  einen  Preis,  den  das  ganze
Reich  fast  nicht  aufwog.  Es  handelte  sich  darum,  die  Begriffe
der  Völker  von  der  Gottheit  auf  Eine  Form  zurückzuführen,
—  zugleich  und  dadurch  ,dem  von  schwerem  Uebel  heimgesuchten ­
  Reichskörper  seine  alte  Kraft  wiederzugeben,'
da,  wenn  es  gelang  ,den  Menschen  zu  einer  und  derselben
Gottesverehrung  hinzulenken,  diese  Uebereinstimmung  einen  den
allgemeinen  geistigen  Bedürfnissen  entsprechenden  Einfluss  auf
die  Leitung  der  öffentlichen  Angelegenheiten  hätte  ausüben
müssen.' 1  Wollten  ja  auch  die  heidnischen  Kaiser  nur  die  Einheit ­
  Romauarum  caeremoniarum.
Das  Reich  selbst  allmälig  ein  christliches,  blieb  das
römische,  blieb  trotz  seiner  neuen  Hauptstadt  officiell  ein  lateinisches ­
  und  verlor  diesen  Charakter  eigentlich  erst  gleichzeitig
mit  dem  der  Weltherrschaft.  So  wie  es  aber  gänzlich  irrig
ist,  dass  Constantia  das  Christenthum  zur  Staatsreligion  erhob,
wird  man  es  kaum  als  irrige  Behauptung  bezeichnen  können,
dass,  wie  die  Osmanen  dem  byzantinischen  Reiche  sein  Ende
bereiteten,  so  erst  das  Aufkommen  der  arabischen  Herrschaft
den  Moment  bildet,  in  welchem  das  Römerreich  seinen  bis  dahin ­
  behaupteten  Charakter  als  Weltreich  verliert  und  zum
byzantinischen  herabsinkt.
Das  vierte  Jahrhundert  der  christlichen  Zeitrechnung  verstrich ­
  mit  den  Versuchen,  die  von  Constantin  d.  G.  neubegründete ­
  Ordnung  der  Dinge  gegen  jene  Ansprüche  zu  bewahren,
welche  vom  Standpunkte  der  alten  Ordnung  der  Dinge  erhoben
werden  konnten.  Als  das  Jahrhundert  schloss,  war  soviel  erreicht, ­
  dass  die  Uebertragung  des  Sitzes  römischer  Herrschaft
von  Italien  und  Rom  nach  Thracien  und  Constantinopel  sich
ebenso  bewährte,  als  die  noch  unendlich  schwierigere  der  Umwandlung ­
  des  ganzen  Charakters  der  römischen  Herrschaft,  der
Weltanschauung  der  Völker,  der  Bruch  mit  dem  Polytheismus,
welcher  Jahrtausende  lang  die  Herrschaft  über  die  Geister  geübt ­
  hatte.  Es  war  eine  welthistorische  Veränderung  vorgegangen, ­
  wie  es  keine  zweite  gab;  es  ist  keine  Phrase,  wenn

1  Reumont,  Gesell,  der  Stadt  Rom.  I.  S.  023.
            
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