Zur Suffixlehre des indogermanischen Verbums. III.
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übersehenden Umstande, dass ein Wechsel der Suffixe —ti und
— tl sich nicht nachweisen lässt, veranlasst mich beide Suffixe
von einander zu trennen, und das erstere mit dem Suffix der
zweiten Person Singularis —si, —si zu vereinigen, also auf die
Reihe der Medialsuffixe zu beziehen.
Nach dieser Darlegung wären die altslavischen Präsenssuffixe
folgendermassen anzuordnen:
Singular 1. Person
1. Activ-Suffixe.
—ml,
2. Person
3. Person —tl
Dual 1. Person —
Plural 1. Person — mit 1
2. Person — te
3. Person — ntl
-m
Tr. Medial-Suffixe.
—si, — si
—ti
—ve
Dass aber Medialsuffixe nach dem Verschwinden des Mediums
aus dem Bewusstsein der Sprache die Rolle von Activ-Suffixen
übernehmen, und diese selbst dann ganz verdrängen
können, ist ein Factum, welches durch das Pali und die Präkrit-Dialekte,
sowie auch durch das Armenische (vergl. meine Armeniaca
III, 9. Sitzungsberichte. LXVI. S. 269) seine Bestätigung
findet.
Nach diesen Bemerkungen wird es nun wohl möglich sein,
auch jene altslavischen Formen, welche schon früher von mehreren
Sprachforschern dem Medium zugeschrieben worden sind,
mit grösserer Bestimmtheit zu deuten. Dahin zähle ich die
Form vede, erste Person Singularis (vergl. Miklosich, Altslovenische
Formenlehre S. 165, Schleicher, Formenlehre der Kirchenslavischen
Sprache S. 322) und die Formen der zweiten und
der dritten Person Singularis Aoristi auf —tü. (Miklosich,
Altslovenische Formenlehre S. 85, 86, 165; Schleicher Forrnen-1
Neben —mü kommen auch noch —my und —me vor. Während —mü
dem —mas entspricht, dürfte in —me die Form —ma stecken, so dass
dieses ursprünglich in die Reihe der stumpfen (Imperfect. Aorist) Suffixe
gehört. — my scheint mir mit dem altdeutschen —mes, dem lateinischen
—rnüs identisch (Scherer, Zur Geschichte der deutschen Sprache S. 190)
deren Entstehung mir aber noch dunkel ist. (Anders Miklosich, Altslovenische
Formenlehre S. 89).
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