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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Zur  Suffixlehre  des  indogermanischen  Verbums.  III.

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übersehenden  Umstande,  dass  ein  Wechsel  der  Suffixe  —ti  und
—  tl  sich  nicht  nachweisen  lässt,  veranlasst  mich  beide  Suffixe
von  einander  zu  trennen,  und  das  erstere  mit  dem  Suffix  der
zweiten  Person  Singularis  —si,  —si  zu  vereinigen,  also  auf  die
Reihe  der  Medialsuffixe  zu  beziehen.
Nach  dieser  Darlegung  wären  die  altslavischen  Präsenssuffixe ­
  folgendermassen  anzuordnen:

Singular  1.  Person

1.  Activ-Suffixe.
—ml,
2.  Person
3.  Person  —tl
Dual  1.  Person  —
Plural  1.  Person  —  mit 1
2.  Person  —  te
3.  Person  —  ntl

-m

Tr.  Medial-Suffixe.
—si,  —  si
—ti
—ve

Dass  aber  Medialsuffixe  nach  dem  Verschwinden  des  Mediums ­
  aus  dem  Bewusstsein  der  Sprache  die  Rolle  von  Activ-Suffixen
  übernehmen,  und  diese  selbst  dann  ganz  verdrängen
können,  ist  ein  Factum,  welches  durch  das  Pali  und  die  Präkrit-Dialekte,
  sowie  auch  durch  das  Armenische  (vergl.  meine  Armeniaca
  III,  9.  Sitzungsberichte.  LXVI.  S.  269)  seine  Bestätigung ­
  findet.
Nach  diesen  Bemerkungen  wird  es  nun  wohl  möglich  sein,
auch  jene  altslavischen  Formen,  welche  schon  früher  von  mehreren ­
  Sprachforschern  dem  Medium  zugeschrieben  worden  sind,
mit  grösserer  Bestimmtheit  zu  deuten.  Dahin  zähle  ich  die
Form  vede,  erste  Person  Singularis  (vergl.  Miklosich,  Altslovenische
  Formenlehre  S.  165,  Schleicher,  Formenlehre  der  Kirchenslavischen
  Sprache  S.  322)  und  die  Formen  der  zweiten  und
der  dritten  Person  Singularis  Aoristi  auf  —tü.  (Miklosich,
Altslovenische  Formenlehre  S.  85,  86,  165;  Schleicher  Forrnen-1

  Neben  —mü  kommen  auch  noch  —my  und  —me  vor.  Während  —mü
dem  —mas  entspricht,  dürfte  in  —me  die  Form  —ma  stecken,  so  dass
dieses  ursprünglich  in  die  Reihe  der  stumpfen  (Imperfect.  Aorist)  Suffixe
gehört.  —  my  scheint  mir  mit  dem  altdeutschen  —mes,  dem  lateinischen
—rnüs  identisch  (Scherer,  Zur  Geschichte  der  deutschen  Sprache  S.  190)
deren  Entstehung  mir  aber  noch  dunkel  ist.  (Anders  Miklosich,  Altslovenische ­
  Formenlehre  S.  89).

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