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Müller.
Das Suffix der zweiten Person Singularis im Altslavischen
—si, —si steht in der Reihe der auf i schliessenden Verbalsuffixe
anomal da, insofern als man bei der Identität mit dem
altindischen —si, griechischen —<s>. eine Form —si, —si erwarten
könnte Eine solche Form des Suffixes kommt aber
im Altslavischen nicht vor, daher denn auch Schleicher das
auslautende i in diesem Falle sowie in dem Suffixe des Instrumentals
Pluralis —ini = mis = bis für archaistisch erklärt
(Compendium S. 673). Wie ich glaube, ist es gar nicht
nothwendig, dieses i in den beiden Fällen auf solche Weise zu
erklären und dadurch die Regel, dass auslautendes i im Altslavischen
zu i verkürzt wird, mit einer Ausnahme zu versehen.
In dem ersten der beiden genannten Fälle, nämlich in
—mi = —mis, welches dem altindischen —bhis entspricht,
erscheint es mir nothwendig die altslavische Form des Suffixes
an die altbaktrische, welche —bis lautet, anzuknüpfen. Wie
ich glaube, waren die Suffixe des Ablativs und des Instrumentals
ursprünglich identisch und lauteten —bhyas (= —bhi-as).
Erst später haben sich beide Casussuffixe durch Differenzirung
des —bhyas zu —bhis und —bhyas ausgebildet, indem die eine
Form für den Instrumental, die andere für den Ablativ eintrat.
Die Instrumentalform —bhis ist nun im Altbaktrischen —bis
unversehrt erhalten, während sie im Altindischen zu —bhis
verkürzt worden ist.
Der zweite Fall, nämlich —si, —si ist nach meiner
Ueberzeugung auch nicht aus —-si zu erklären, sondern vielmehr
an —sai anzukniipfcn. Die Verkürzung eines auslautenden
ö zu i ist aber im Altslavischen ein so regelrechter Lautprocess,
dass er nach den Untersuchungen'Schleichers (Compendium
S. 131) keines speciellen Beweises bedarf.
Unmittelbar mit —si, —si bringe ich das Suffix der
dritten Person Singularis —ti in Verbindung, welches in dem
einzigen Fall seti (vergl. Miklosich, Altslavische Formenlehre
S. 84) sich erhalten hat. (lerade die Beschränkung des Suffixes
—ti auf diese einzige Form verbunden mit dem nicht zu
1 —si, —si neben —mi, —ti, —nti ist umsomehr auffallend, als man
ja weiss, wie die Sprachen die Formen zu nivelliren pflegen. Schon dieser
Umstand sollte, denk’ ich, den Sprachforscher mahnen, dieses —si, — si
schärfer ins Auge zu fassen.