Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Zur  Suffixlehre  des  indogermanischen  Verbums.  ITT.

C47

S.  687  citirte  Formen  cakre  aus  xcakar-me,  bibhre  aus  xbibbar-me
  sind  lautliche  Unmög'liclikeiten.)
Nach  meiner  Ansicht  ist  es,  um  das  altindisch-altbaktrische
  Suffix  —e  gegenüber  dem  griechischen  —p.at  richtig  zu
begreifen,  nothwendig  die  ihnen  entsprechenden  Activ-Suffixe
in  den  indogermanischen  Sprachen  einer  kurzen  Betrachtung
zu  unterziehen.
Das  Suffix  der  ersten  Person  Singularis  Praesentis  Activi
lautet  im  Altindischen  durchgehends  —mi.  Diese  Form  des  Suffixes ­
  findet  sich  im  Altbaktrischen,  Griechischen,  Litauischen
und  Altslavischen  (—mi)  wieder  und  muss  auch  fürs  Latein
und  Gotische  (—m)  vorausgesetzt  werden.  Neben  dieser  Form
der  ersten  Person  Singularis  finden  wir  aber  in  einigen  indogermanischen ­
  Sprachen  (Altbaktrisch,  Griechisch,  Latein,  Gotisch) ­
  eine  zweite,  welche  darin  besteht,  dass  das  Suffix  —mi
fehlt,  dagegen  aber  der  vor  ihm  stehende  Vocal  gelängt  erscheint. ­
  Vergl.  altbaktrisch:  zbayä,  pereoä,  yäeä;  griechisch:
Xe-fto,  <pepw;  Latein:  amo,  lego;  Gotisch:  baira,  nima.
Schon  die  Ueb  er  ein  Stimmung  so  vieler  Sprachen  (Altbaktrisch, ­
  Griechisch,  Latein,  Gotisch)  in  diesem  einen  Punkte,
nämlich  Abwertung  des  Suffixes  —mi  und  gleichmässige  Behandlung ­
  der  übriggebliebenen  Form  innerhalb  der  ersten
Person  Singularis  scheint  darauf  hinzuweisen,  dass  diese  Verstümmelung ­
  in  einer  sehr  frühen  Zeit  stattgefunden  haben
müsse,  gewiss  schon  in  jener  Zeit,  welche  vor  der  Trennung
der  einzelnen  indogermanischen  Sprachzweige  vom  gemeinsamen ­
  Stamme  gelegen  ist.
Und  dass  die  Sache  wirklich  derart  sich  verhält,  dies
beweist  uns  die  oben  besprochene  Form  des  Medialsuffixes  —e,
welche  sich  nur  aus  ä  +  i  (wie  —gai  =  m  —J—  a  —f-  i)  genügend
erklären  lässt.  Die  Medialsuffixe  können  mithin  erst  dann  sich
gebildet  haben,  als  in  der  ersten  Person  Singularis  neben  der
organischen  Form  —ämi  eine  zweite  verstümmelte  —ä  sich
herausgebildet  hatte. 1

1  Das  i  von  —e  (ä—)—i)  ist  mit  dem  —i  der  ersten  Person  Singularis  Medii
des  Imperfect-Aorist’s  identisch.  Wir  linden  die  Form  —e  dort,  wo  auch
dieses  —i  sieh  nachweisen  lässt  (Altindiseh,  Altbaktrisch),  während  dem
—mai  (griechisch  —|j.at)  die  Form  —m-a  (griechisch  —jj.rjv)  zur  Seite  steht.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.