Zur Suffixlehre des indogermanischen Verbums. ITT.
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S. 687 citirte Formen cakre aus xcakar-me, bibhre aus xbibbar-me
sind lautliche Unmög'liclikeiten.)
Nach meiner Ansicht ist es, um das altindisch-altbaktrische
Suffix —e gegenüber dem griechischen —p.at richtig zu
begreifen, nothwendig die ihnen entsprechenden Activ-Suffixe
in den indogermanischen Sprachen einer kurzen Betrachtung
zu unterziehen.
Das Suffix der ersten Person Singularis Praesentis Activi
lautet im Altindischen durchgehends —mi. Diese Form des Suffixes
findet sich im Altbaktrischen, Griechischen, Litauischen
und Altslavischen (—mi) wieder und muss auch fürs Latein
und Gotische (—m) vorausgesetzt werden. Neben dieser Form
der ersten Person Singularis finden wir aber in einigen indogermanischen
Sprachen (Altbaktrisch, Griechisch, Latein, Gotisch)
eine zweite, welche darin besteht, dass das Suffix —mi
fehlt, dagegen aber der vor ihm stehende Vocal gelängt erscheint.
Vergl. altbaktrisch: zbayä, pereoä, yäeä; griechisch:
Xe-fto, <pepw; Latein: amo, lego; Gotisch: baira, nima.
Schon die Ueb er ein Stimmung so vieler Sprachen (Altbaktrisch,
Griechisch, Latein, Gotisch) in diesem einen Punkte,
nämlich Abwertung des Suffixes —mi und gleichmässige Behandlung
der übriggebliebenen Form innerhalb der ersten
Person Singularis scheint darauf hinzuweisen, dass diese Verstümmelung
in einer sehr frühen Zeit stattgefunden haben
müsse, gewiss schon in jener Zeit, welche vor der Trennung
der einzelnen indogermanischen Sprachzweige vom gemeinsamen
Stamme gelegen ist.
Und dass die Sache wirklich derart sich verhält, dies
beweist uns die oben besprochene Form des Medialsuffixes —e,
welche sich nur aus ä + i (wie —gai = m —J— a —f- i) genügend
erklären lässt. Die Medialsuffixe können mithin erst dann sich
gebildet haben, als in der ersten Person Singularis neben der
organischen Form —ämi eine zweite verstümmelte —ä sich
herausgebildet hatte. 1
1 Das i von —e (ä—)—i) ist mit dem —i der ersten Person Singularis Medii
des Imperfect-Aorist’s identisch. Wir linden die Form —e dort, wo auch
dieses —i sieh nachweisen lässt (Altindiseh, Altbaktrisch), während dem
—mai (griechisch —|j.at) die Form —m-a (griechisch —jj.rjv) zur Seite steht.