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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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II  öfler.

Staatenbildung  des  Westens.  Hier  reichte  der  Franke  Carl  der
Grosse  durch  die  Schenkung  der  Städte  Mittelitaliens  an  den
Papst,  dem  mittelalterlichen  Repräsentanten  Eom’s,  der  in  Mittelitalien ­
  zusammengedrängten  römischen  Bevölkerung  die  Hand
zu  ihrer  nationalen  Organisation  und  betrieben  die  Päpste  mit
Hilfe  der  fränkischen  Könige  die  Reorganisation  dieser  Trümmer ­
  der  eigentlich  römischen  Bevölkerung,  im  Gegensätze  zu
den  langobardischen  Herzogen  und  der  langobardiscken  Bevölkerung ­
  Mittelitaliens;  da  romanisirten  sieb  allmälig  Franken  und
Langobarden.  Der  Sitz  des  Kaiserthums,  welches  sich  römisch
schrieb,  war  nicht  mein'  Rom,  wenn  auch  Otto  III.  ihn  daselbst
aufzuschlagen  dachte.  Das  neue  Kaiserthum  hatte  gar  keine  Residenz, ­
  wohl  aber  eine  Wahlstadt,  ein  paar  Krönungsstädte  und  eine
Gräberstadt,  dafür  aber  eine  stets  unruhige  und  von  allen  Seiten  in
Unruhe  gesetzte  Stadtbevölkerung  Roms  mit  ihrem  Senate  und  ihrer
Clerisei,  Herzogthümer,  Markgrafschaften,  ausgedehnte  Territorien ­
  ,  welche  den  Kaiser  nicht  als  den  einzigen,  wohl  aber
als  den  obersten  weltlichen  Herrn  erkannten.
Da  ist  es  denn  doch  von  Wichtigkeit,  sich  klar  zu
machen,  wie  lange  der  antike  römische  Charakter‘des  Reiches
andauertc;  wie  der  Uebergang  in  das  Moderne  sich  gemacht
hat,  wann  jene  politische  Häutung  sich  vollzog,  wie  die  Abstreifung ­
  des  Alten,  die  Annahme  des  Neuen,  wie  jener  Aufbau,
dem  Europa  denn  doch  bis  1453  seine  Abgeschlossenheit  von
den  zerstörenden  asiatischen  Elementen  verdankte,  so  dass  sie
wenigstens  nicht  überflutheten,  nicht  den  eigenthüinlichen  europäischen ­
  Lebensnerv  zerstören  konnten.
Die  nachfolgende  Abhandlung,  welche  sich  die  Aufgabe
stellte,  den  Auslauf  der  antiken  und  römischen  Zeit  in  das  Mittelalter
  zu  untersuchen,  die  Nothwendigkeit  eines  wenn  auch  umgewandelten ­
  römischen  Reiches  für  jene  Periode  zu  erweisen,
in  welcher  der  Westen  unterging  und  seine  Wiederherstellung
nach  längerer  Pause  nur  auf  ganz  neuen  Grundlagen,  mit  neuen
Völkerelementen  möglich  war,  stützt  sich  auf  eine  bescheidene ­
  Kenntniss  der  spät  -  römischen  und  byzantinischen  Geschichtsquellen ­
  und  der  neuesten  Schriftsteller,  wie  Beugnot,
Buchon,  Christ,  Fallmerayer,  Finlay,  Gibbon,  Hergenröther,  Hopf,
Krause,  Müller,  Pichler,  Tafel,  Thomas,  Zinkeisen  u.  A.  Sie
kann  sich  selbst  nur  als  einen  Versuch  bezeichnen,  über  den
            
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