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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  alten  Geschichte.

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entgegenträgt,  dass  er  sich  nicht  ergiebigeren  Studien  zuwende.
Man  kann  auch  nicht  leugnen,  dass  die  byzantinische  Geschichte ­
  im  Gegensätze  zu  der  der  frischen  Staaten  der  Germanen
den  Charakter  des  nie  jung  gewesenen,  des  von  Anfang  an
Alten  und  durch  das  Alter  Gebrochenen  in  unliebem  Grade  behauptet. ­
  Man  wird  unwillkürlich  an  diejenige  Stellung  erinnert,
welche  unter  den  asiatischen  Staaten  China  einnimmt,  dessen
Geschichte  nur  für  äusserst  wenige  Menschen  etwas  Anziehendes ­
  in  sich  schliesst.  Daneben  vergisst  man  nur  zu  häufig,  dass
dieses  Reich,  die  natürliche  Fortsetzung  des  römischen,  durch
die  blosse  Thatsache,  dass  es  sich  das  ganze  Mittelalter  hindurch
erhielt,  die  Verbindung  des  letzteren  mit  der  antiken  Periode
ununterbrochen  wahrte,  dem  Mittelalter  die  Continuität  mit  der
vorausgegangenen  grossen  Culturperiode  des  Menschengeschlechtes ­
  in  einer  Weise  verlieh,  wie  es  Rom  nicht  möglich  war,
in  welchem  der  Gothenkrieg  den  Zusammenhang  zerstörte  und
nicht  ein  Miss-,  sondern  ein  Uiiverständniss  der  eigenen  Vergangenheit ­
  schuf.  Es  war  keine  Kleinigkeit,  beinahe  ohne  einen
Ruhepunkt  zu  gewinnen,  den  Gothen-  und  Hunnensturm,  den
Avareneinbruch,  die  alles  zerstörende  Invasion  der  Slaven,
wie  die  Bulgarenkriege,  den  rasenden  Anfall  der  Neuperser,  der
Araber,  der  Seldschuken,  die  Normanenkämpfe,  die  lateinische ­
  Occupation  auszuhalten  und  erst  den  Osmanen,  dem
kriegerischesten  Volke  der  neueren  Zeit,  zu  erliegen!  Wenn
zähe  Ausdauer  eine  politische  Tugend  ist,  so  kam  sie  dem
byzantinischen  Reiche  in  hohem  Grade  zu.  Sie  setzt  immer
ein  Lebensprincip,  eine  innere  Nothwendigkeit  voraus,  die  selbst
dem  Unwilligen  Achtung  einflösst.  Wie  schon  nach  dieser  Seite  hin,
den  Völkern  gegenüber,  deren  Hereinflutlien  nach  dem  Abendlande ­
  das  byzantinische  Reich  aufhielt,  die  Geschichte  desselben
einen  Mikrokosmos  bildet,  ist  dieses  noch  mehr  der  Fall  den
Nationen  gegenüber,  welche  in  das  Reich  selbst  eindrangen  und
eine  ethnographische  Sammlung,  eine  Vielheit  von  Territorien  erzeugten, ­
  die  gänzlich  -zu  bewältigen  dem  Reiche  nicht  mehr
möglich  wurde.  Dadurch  gestaltete  sich  einerseits  ein  byzantinisches ­
  Staatensystem,  das  zwei  Erdtheile,  manchmal  auch  drei
Umfasste,  und  nach  Innen  ein  System  der  Politik,  welches
so  viel  als  möglich  das  Aufkommen  von  Staaten  zu  verhindern
strebte,  die  Völker  verpflanzte,  sie  zu  gräcisiren  suchte,  das
            
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