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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  Kant's  mathematisches  Vorortheil  und  dessen  Folgen.

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hauer’s  Ausfall  gegen  Kant ;  dass  ein  Theil  unserer  Erkenntniss
dem  Intellect  ursprünglich  angehörig  (a  priori)  und  doch  auf
dem  VV  ege  innerer  Erfahrung  erkennbar,  sei  kein  Widerspruch,
stimmt  weder  der  Letztgenannte,  noch  Beneke  bei.  Die  Erklärung ­
  des  Letztem  schliesst  sich  zwar  scheinbar  jener  von
Schopenhauer  und  Fries  in  der  Forderung  an,  die  a  priori  gegebenen ­
  Formen  nicht  wieder  a  priori,  sondern  nur  durch
(innere)  Erfahrung  zu  erkennen,  aber  er  fügt  diesem  Verlangen
eine  Clausel  bei,  durch  welche  jene  selbst  wieder  in  Frage
gestellt,  wird.  ,Wenn  überhaupt  möglich',  sagt  er  und  deutet
damit  denselben  geheimen  Zweifel  an  der  Realität  apriorischer
Formen  an,  welcher,  wie  oben  gezeigt,  Herbart  veranlasst  hat
dieselben  ,unglückliche  Einbildungen'  zu  nennen.  Jenes  ,wenn
überhaupt  möglich'  ist  eben  der  Fragepunkt,  auf  den  Kuno
Fischer  seine  Aufmerksamkeit  gewandt  hat,  nur  mit  dem  Unterschied, ­
  dass  dieser  darum  nicht  an  der  Realität  des  a  priori
wohl  aber  an  jedem  Versuche  irre  wird,  demselben  durch  innere
Erfahrung,  es  wäre  denn  vielleicht  eine,  die  zugleich  Anschauung ­
  und  dennoch  a  priori  (intellectuale  Anschauung)
wäre,  nahe  kommen  zu  wollen.
Es  scheint  nicht,  dass  Kant  selbst  an  eine  solche  gedacht
hat.  In  der  Eingangs  angeführten  Stelle  bezeichnet  er  die
Unterscheidung  des  (apriorischen)  Zusatzes  vom  (sinnlichen)
Grundstoff  zwar  nicht  als  Erfolg  unmittelbarer  Beobachtung
durch  den  innern  Sinn,  aber  als  einen  solchen,  der  nur  durch
,lange  Uebung  und  Aufmerksamkeit',  also  auf  demselben  Wege
wie  sonst  irgend  ein  Ergehniss:  empirischer  Forschung,  erreicht ­
  zu  werden  vermag.  In  den  von  J.  B.  Meyer  (a.  a.  O.,
S.  123  u.  ff.)  gesammelten  Stellen,  wo  Kant  über  die  Art,  wie
er  zur  Entdeckung  des  a  priori  gekommen  sei,  Andeutungen
macht,  tritt  nichts  hervor,  was  von  dem  üblichen  Verfahren
z.  B.  nach  dem  von  Kant  selbst  gebrauchten  Beispiel,  des
Grammatikers,  ,der  aus  einer  Sprache  Regeln  des  wirklichen
Gebrauchs  der  Wörter  heraussucht  und  so  Elemente  zu  einer
Grammatik  zusammenträgt'  (Prolog.  III,  243)  irgendwie  abwiche. ­
  Legen  wir  auf  die  von  Meyer  angeführte  Stolle
(Untersuch,  ü.  d.  Deutlichkeit  der  Grundsätze  der  natiirl.
Thool.  und  Moral,  I.  78),  in  welcher  sogar  von  ,innerer  Erfahrung' ­
  und  ,einem  unmittelbaren  augenscheinlichen  Bewusst
            
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