Iberischer Ursprung von Stammes- und Städtenamen im südl. Gallien. 401
Ueberschaut man diese Formen, so erscheint es als die
Regel, dass das Suffix aus zwei Buchstaben, zweimal jedoch
mit einem zwischen diesen befindlichen Punkt, besteht. In
den Fällen, wo nur ein einzelner Buchstabe vorkommt, ist
immer nur der zweite, das l'h ausgefallen und da, wo der zweite
Buchstabe sich in einem einzelnen Striche darstellt, ist dies
kein i, sondern eben nur der erste Strich eines unvollendeten
n. Das Suffix ist also direct ausgesprochen cn in den Formen
1. 4. 6. 7 und 8, diesen sind aus den angegebenen Gründen
die Formen 2. 5. 7. 9. gleichzustellen. Boudard erklärt dasselbe
durch coen; dass dies unrichtig sei, ist schon hei einer
andern Gelegenheit erörtert worden l . Das Suffix ist ein 2 , in
der Aussprache lein, was auch durch die beiden Formen 3 und
10 hinlänglich bestätigt wird, da der Punkt i bedeutet. Ganz
gleichbedeutend mit <l u , h.P und CI'' sind auch XI'', XM, XI''
und XM. Dass unter diesen die Form <M vermisst wird, ist
gewiss rein zufällig.
Was nun die Bedeutung dieses Suffixes anbetrifft, so
zweifeln wir nicht mehr daran, dass dies ein oder hin oder
kirn dem griechischen uuv und £uv, so wie dem lat. con und cum
entspricht und demnach eine Afit-genossenschaft, eine Gemeinschaft
ausdrückt, Nedhnltin bezeichnet also die Gemeinde von
Nedhn, die Gemeinde der Nedhenesen. Andere Beispiele bieten
in der Abhandlung über das iberische Alphabet die Legenden
Obulcin (43), Albqoqm (66), Ariemen (79, 80), Boailiqm (85.
86), BorTqm (88, 89), Btamescn (98, 99), Eoblrqm und Eoblrqn
(127. 128. 129 bis), u. s. w. Die Römer haben mit diesem Suffix
wenig Umstände gemacht, sie warfen es einfach fort; aus
Iffomcn machten sie Uxama. Es ist daher als eine Ausnahme
anzusehen, wenn Tborqm 3 im Lateinischen als Tubori-cum erscheint,
und vielleicht lassen sich damit andere hispanische
Städtenamen, wie Carani-cum 1 in Parallele stellen. Wurde oben auf
den Zusammenhang zwischen dem in Rede stehenden iberischen
Suffix mit jenen griechischen und lateinischen Präpositionen hingedeutet,
so darf es auch nicht unerwähnt bleiben, dass im heutigen
' Abhandlung über das iberische Alphabet. S. 9. Note 17. S. 38.
2 Ebendas. S. 39.
3 Leg. 290.
4 Itin. Anton, p. 424.