Uelier Kant’s mathematisches Yorurtheil nnd dessen Folgen.
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cismus zweifelt daran und diesen Zweifel sucht die Kritik eben
von Grund aus zu überwinden. Dass dies nicht dadurch geschehen
kann, dass, was er eben bezweifelt, als ,ausgemacht'
angenommen wird, scheint so evident zu sein, dass man es
Kant gegenüber kaum auszusprechen wagt. Dass die Erfahrung
nur dann gewiss sei, wenn sie auf apriorischen Grundsätzen
beruht, mag richtig sein; gewiss aber ist, dass auf das Dasein
der letztem nur dann mit Gewissheit geschlossen werden kann,
wenn die Gewissheit der Erfahrung selbst ausser Zweifel ist.
Jene Bedingungen der Erfahrung können, mit dieser verglichen,
wohl ein Prius, keineswegs aber darf die Gewissheit derselben
darum apriorisch genannt werden. Kepler’s Gesetze, wenn
sie richtig sind, sind, mit den Planetenbewegungen selbst verglichen,
deren bedingendes Prius; dass sie richtig sind, aber
wird erst durch die täglich wachsende Menge bestätigender Erfahrungen
in immer steigendem Grade constatirt. Sie haben
folglich nach Kant’s eigener Definition (II. S. 37) keine wahre
und strenge, sondern nur angenommene und comparative Allgemeinheit,
so dass es eigentlich heissen muss: so viel wir
bisher wahrgenommen haben, findet sich von den Kepler’schen
Gesetzen keine Ausnahme.
Soll bei dem Prius aller Erfahrung, dem a priori, das
Nämliche stattfinden? Dann hätte dasselbe, wie die Keplerschen
Gesetze, nur ,inductive‘, d. h. keine ,strenge und wahre',
d. li. nach Kant’s Wort an derselben Stelle keine apriorische
Allgemeinheit und Nöthwendigkeit, d. h. es wäre kein a priori!
Es wäre, wie die Kepler’schen Gesetze nur desshalb gütig sind,
weil und insofern alle Beobachtungen der Planetenbewegungen
mit denselben stimmen, nur desshalb giltig, weil und so lange
alle wirkliche Erfahrung mit demselben harmonirt. Und so wie
durch die Thatsache, dass bisher niemals eine Ausnahme
von den Kepler’schen Gesetzen beobachtet wurde, die Möglichkeit,
dass eine solche statthabe, nach Kant’s eigener Definition
der comparativen Allgemeinheit nicht als ausgeschlossen
betrachtet werden darf, so wenig darf nach derselben Erklärung
der Fall, dass eine wirkliche Erfahrung nicht mit dem angeblichen
Prius aller Erfahrung übereinstimme, als schlechterdings
unmöglich angesehen werden. Denn die Erfahrung lehrt uns
Sitzb. d. pliil.-liist. CI. LXV1X. Bd. I. Hfl. 3