Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  Kant’s  mathematisches  Vorurtheil  und  dessen  Folgen.

29

Wege  geschehe,  der  nur,  ,comparative'  Allgemeinheit  zu  gewähren
vermag,  wäre  sonach  in  Fischer’s  Augen  der  schwerste  Schlag,
der  die  Kritik  treffen  könnte,  denn  dadurch  würde  jenes  a
priori  selbst  in  ein  a  posteriori  verwandelt.  Was  bleibt  übrig,
trägt  er  klagend,  von  der  Bedeutung,  auf  welche  die  Kant'sche
Kritik  alles  Gewicht  legt  ?  und  antwortet:  nichts!
Wenn  es  sich  für  Kuno  Fischer  an  dieser  Stelle  blos
darum  handelte,  Fries  zu  widerlegen,  so  hätte  er  einen  Bundesgenossen ­
  dort  finden  können,  wo  er  es  am  wenigsten  erwartet,
bei  Herbart.  In  der  Kritik  der  Fries’schen  Philosophie,  die
er  seiner  Allg.  Metaphysik  (I.  §  87  —  93)  einverleibt  hat,  sagt
dieser  wörtlich  folgendes:  ,Naeh  der  Behauptung  von  Fries
(N.  Vernunftkritik  II.  25)  unterscheidet  sich  in  Rücksicht  der
philosophischen  Ausbildung  der  ausgebildetste  Philosoph  vom
rohesten  Verstände  nicht  durch  Erweiterung  seines  Wissens,
sondern  nur  durch  logische  Deutlichkeit  einer  Form  der  Erkenntniss,
  welche  in  jeder  Vernunft  dieselbe  ist,  durch  eine
Verdeutlichung,  welche  nur  dem  Reflexionsvermögen  zukommt.'
Herbart  nennt  diesen  Satz,  der  seinen  Grund  habe  ,in  der
unglücklichen  Einbildung  von  Kategorien  und  Formen
der  Sinnlichkeit',  alle  wahre  Speculation  ,tödtend'  und  fährt
fort:  ,Die  Verbindung  desselben  mit  den  Kategorien  erkennt
man  sogleich  in  einer  bald  folgenden  Behauptung:  Der  Selbstthätigkeit
  der  Vernunft  gehört  eine  Form  ihrer  Erregbarkeit,
welche  das  Dauernde,  in  ihrer  ganzen  Geschichte  sich  Gleiche
ist.  Diese  drückt  sich  in  ihrer  Erkenntniss  aus;  sie
ist  apodiktisch;  kann  aber  nur  von  der  Reflexion  ergriffen
werden,  und  das  zwar  einzig  dadurch,  dass  wir  uns  ihrer  blossen
Form  durch  Abstraction  bemächtigen  und  den  einzelnen  Gehalt
erst  mittelbar  unter  ihrer  Bedingung  stehend  finden.  So  wird
alle  apodiktische  Erkenntniss  unmittelbar  formal  und  allgemein,
aber  auch  ein  Gesetz  für  jeden  Gehalt,  der  irgend  gegeben  werden ­
  mag.  So  weit  Fries.  ,Und  so  kommt,  sagt  Ilerbart,  denn
glücklich  eine  ,anthropologische',  d.  h.  empirische  Theorie
der  Nothwendigkeit  zu  Stande,  und  wir  erlangen  ein  ganz  erfahrungsmässiges
  Kriterium,  nach  dem  wir  die  Nothwendigkeit
unserer  Erkenntnisse  beurtheilen'.  (A.  a.  0.  I.  S.  34.)
Die  Uebereinstimmung  beider  Aussprüche  ist  einleuchtend.
Beide  begegnen  sich  darin,  dass  die  strenge  Allgemeinheit  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.