Ueber Kant’s mathematisches Vorurtheil und dessen Folgen.
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Wege geschehe, der nur, ,comparative' Allgemeinheit zu gewähren
vermag, wäre sonach in Fischer’s Augen der schwerste Schlag,
der die Kritik treffen könnte, denn dadurch würde jenes a
priori selbst in ein a posteriori verwandelt. Was bleibt übrig,
trägt er klagend, von der Bedeutung, auf welche die Kant'sche
Kritik alles Gewicht legt ? und antwortet: nichts!
Wenn es sich für Kuno Fischer an dieser Stelle blos
darum handelte, Fries zu widerlegen, so hätte er einen Bundesgenossen
dort finden können, wo er es am wenigsten erwartet,
bei Herbart. In der Kritik der Fries’schen Philosophie, die
er seiner Allg. Metaphysik (I. § 87 — 93) einverleibt hat, sagt
dieser wörtlich folgendes: ,Naeh der Behauptung von Fries
(N. Vernunftkritik II. 25) unterscheidet sich in Rücksicht der
philosophischen Ausbildung der ausgebildetste Philosoph vom
rohesten Verstände nicht durch Erweiterung seines Wissens,
sondern nur durch logische Deutlichkeit einer Form der Erkenntniss,
welche in jeder Vernunft dieselbe ist, durch eine
Verdeutlichung, welche nur dem Reflexionsvermögen zukommt.'
Herbart nennt diesen Satz, der seinen Grund habe ,in der
unglücklichen Einbildung von Kategorien und Formen
der Sinnlichkeit', alle wahre Speculation ,tödtend' und fährt
fort: ,Die Verbindung desselben mit den Kategorien erkennt
man sogleich in einer bald folgenden Behauptung: Der Selbstthätigkeit
der Vernunft gehört eine Form ihrer Erregbarkeit,
welche das Dauernde, in ihrer ganzen Geschichte sich Gleiche
ist. Diese drückt sich in ihrer Erkenntniss aus; sie
ist apodiktisch; kann aber nur von der Reflexion ergriffen
werden, und das zwar einzig dadurch, dass wir uns ihrer blossen
Form durch Abstraction bemächtigen und den einzelnen Gehalt
erst mittelbar unter ihrer Bedingung stehend finden. So wird
alle apodiktische Erkenntniss unmittelbar formal und allgemein,
aber auch ein Gesetz für jeden Gehalt, der irgend gegeben werden
mag. So weit Fries. ,Und so kommt, sagt Ilerbart, denn
glücklich eine ,anthropologische', d. h. empirische Theorie
der Nothwendigkeit zu Stande, und wir erlangen ein ganz erfahrungsmässiges
Kriterium, nach dem wir die Nothwendigkeit
unserer Erkenntnisse beurtheilen'. (A. a. 0. I. S. 34.)
Die Uebereinstimmung beider Aussprüche ist einleuchtend.
Beide begegnen sich darin, dass die strenge Allgemeinheit und