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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Ri

28  Zimmerma  n  n.
Vernunft  in  keiner  Weise  empirisch,  oder  vielmehr,  dass  sie
selbst  apriorisch  seif
Es  ist  ein  sehr  anerkennenswerthes  Verdienst  Kuno
Fischer’s,  das  Gewicht  dieser  Sachlage  scharf  zum  Ausdruck
gebracht  zu  haben.  Wenn  das  Erkenntnisvermögen  in  der
That  apriorische  Elemente  in  sich  schliosst,  so  giebt  es  allerdings ­
  keinen  andern  Weg,  sich  dieselben  zum  Bewusstsein  zu
bringen,  als  die  Selbstbeobachtung.  ,Aber  Eines',  sagt  er,  den
eigentlichen  Schwerpunkt  der  Frage  auf’s  treffendste  bezeichnend,
,kann  niemals  auf  dem  Wege  der  Erfahrung  entdeckt  werden;
nämlich  dass  jene  Vernunftäusserungen,  es  seien  Anschauungen
oder  Begriffe,  apriorisch  sind.'  Aus  dem  Grunde  nicht,  weil
Erfahrung,  selbst  wenn  sie  alle  möglichen  Fälle  erweislich  aufzuzählen ­
  vermöchte,  dadurch  doch  nur  zu  zeigen  im  Stande
wäre,  dass  es  sich  in  allen  Fällen  so  verhalte,  nicht  aber  dass
es  sich  so  verhalten  m  ii  s  s  e.  ,Was  a  priori  ist,'  fährt  Fischer  fort,
,kann  nie  a  posteriori  erkannt  werden.'  Wer  mit  Fries  behaupte,
was  die  Vernunftkritik  entdecke  (die  reinen  Formen,  der,Zusatz'),
sei  wirklich  a  priori,  die  Entdeckung  selbst  aber  sei  a  posteriori,
der  verfalle  damit  in  das  Trponov  der  Fries’schen  Philosophie. ­
  ,Wenn',  ruft  Fischer  aus,  ,die  Vernunftkritik  blos  psychologisch ­
  und  darum  lediglich  empirisch  ist,  wie  können  die
Objecte  ihrer  Einsicht  a  priori  sein?  Das  möchte  ich  mir
gern  deutlich  machen  lassen!'
Bona  Meyer  (a.  a.  0.),  der*obige  Stellen  Fischer’s
citirt,  zieht  aus  desselben  System  der  Logik  und  Metaphysik
(2.  Aufl.  1865.  S.  112.  §-55)  noch  eine  andre  herbei,  in  welcher
dieser  den  Gesichtspunkt  von  Fries,  so  einleuchtend  und  treffend
er  scheine,  doch  für  unmöglich  erklärt.  ,Sind  die  Kategorien
Objecte  einer  psychologischen  Einsicht,  so  sind  sie  Erfahrungsobjecte. ­
  Es  gilt  von  ihnen,  was  von  allen  Erfahrungsobjecten
ohne  Ausnahme  gilt.  Kein  Erfahrungsobject  ist  allgemein  und
nothwendig,  wenigstens  lässt  sich  diese  Beschaffenheit
durch  Erfahrung  nie  einsehen.  Sind  also  die  Kategorien  blosse
Erfahrungsobjecte,  so  sind  sie  weder  allgemein  noch  nothwendig,
dürfen  wenigstens  als  solche  nicht  angesehen  werden,  so  lange
sie  als  Erfahrungsobjecte  gelten:  so  sind  sie  nicht  a  priori,  also
überhaupt  nicht  Kategorien.'  Dass  die  Entdeckung  des  a
priori,  wie  Fries  meinte,  auf  aposteriorischem,  d.  h.  auf  einem
            
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