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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

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Z  i  m  ra  e  r  m  a  n  n.

a  priori  in  der  menschlichen  Erkenntniss  eine  selbst  apriorische
(metaphysische)  oder  blos  aposteriorische  (empirische)  gewesen ­
  sei?  War  sie  nämlich  das  erstere,  so  war  das  Dasein  jenes
a  priori  in  der  Vernunft  von  Kant  mit  Allgemeinheit  und  Notliwendigkeit,
  war  sie  dagegen  nur  das  letztere,  im  besten  Fall
mit  hinreichender  Wahrscheinlichkeit  dargethan.  Er  selbst
giebt  das  Merkmal  an,  woran  sich  mit  Sicherheit  das  reine  (apriorische) ­
  vom  empirischen  Erkenntniss  unterscheiden  lasse  (II.  S.  36).
,Erfahrung',  sagt  er,  ,lehrt  uns  zwar,  dass  etwas  so  oder  so  beschaffen ­
  sei,  nicht  aber,  dass  es  nicht  anders  sein  könne/  Ist  nun
seine  Entdeckung  des  a  priori  selbst  apriorisch,  d.  h.  ,in  so  strenger
Allgemeinheit  gedacht,  dass  gar  keine  Ausnahme  als  möglich
vorstattet  wird',  so  kann  sie  nicht  aus  der  Erfahrung  sein.  Ist  sie
dagegen  aus  der  Erfahrung,  so  hat  sie  ,keine  wahre  und  strenge,
sondern  nur  comparative  Allgemeinheit  (durch  Inductioh)
so  dass  es  eigentlich  heissen  muss:  so  viel  wir  bisher  wahrgenommen ­
  haben,  findet  sich  von  dieser  Regel  keine  Ausnahme/ ­
  Die  Frage  stellt  sich  demnach  so,  ob  der  Urheber
der  Kritik  von  seiner  Entdeckung  apriorischer  Elemente  im
Erkenntnissvermögen  Ausnahmen  verstatte  oder  das  Gegentheil?
Wäre  ersteres  gemeint,  so  hiesse  dies  zugeben,  dass  das  Erkenntnissvermögen ­
  auch  ohne  apriorische  Bostandtheile  denkbar ­
  sei,  etwa  wie  Locke  es  dachte.  Das  letztere  behaupten,
wie  Kant  ohne  Zweifel  tliat,  aber  erheischt  sodann  den  Beweis,
dass  obenerwähnte  Entdeckung  nicht  ,aus  der  Erfahrung'  sei.
Kant  glaubt  einen  solchen  gegeben  zu  haben,  den  auch
Fischer  hervorhebt  (V.  S.  6),  und  auf  den  wir  zu  sprechen
kommen.  Zunächst  erhellt  aus  dem  Vorstehenden,  dass  Kant
(und  ebenso  Fichte)  allerdings  guten  Grund  hatte,  seine  Kritik
(Fichte  seine  Wissenschaftslehre)  nicht  für  Psychologie  gelten
lassen  zu  wollen.  ,Waren,  sagt  Kuno  Fischer  sehr  richtig,
ihre  Einsichten  nur  psychologisch  und  darum  nur  empirisch, ­
  so  waren  in  demselben  Augenblick  die  Objecte  dieser
Einsichten  nicht  mehr  ursprünglich  und  damit  hatte  das  Unternehmen ­
  beider  Philosophen  seinen  Sinn  verloren/  Dieses  Geständniss
  ist  so  merkwürdig,  dass  wir  Act  davon  nehmen
müssen.  Durch  dasselbe  wird  eingeräumt,  dass  die  gesammte
Entwicklung  der  nachkritischen  Philosophie,  die  mit  der  Wissenschaftslehre ­
  beginnt  und  deren  Spuren  folgt,  mit  der  ,Ursprüng-
            
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