Ueber Kaufs mathematisches Yorurtlieil und dessen Folgen.
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geblichen Entdeckung versprach, die ihn in Stand setzen sollte,
die Principien a priori aller genannten drei, also aller überhaupt
dem menschlichen Wesen innewohnenden Seelenvermögen
,abzuzählen und den Umfang der auf diese Art möglichen Erkenntniss
sicher zu bestimmen*. Es war nicht mehr und nicht
weniger, als was einst Leibnitz gefehlt hatte, um die Idee seiner
scientia generalis in’s Werk zu setzen, nämlich die vollständige
Aufzählung sämmtliclier unbestrittener Grund- und Stammerkenntnisse
und aller aus denselben mit gleicher Verlässigkeit
ableitbaren Folgerungen: das System der Wissenschaft aus
reinen Begriffen ohne empirische Zuthat.
Zu diesem selbst, dessen Vollendung Kant noch in den
letzten Lebensjahren beschäftigte und dem sein letztes bekanntlich
Manuseript gebliebenes ,Hauptwerk* gewidmet war,
sollten die drei Kritiken durch die Aufweisung apriorischer
Elemente in jedem der- drei menschlichen Seelenvermögen die
Vorschule bilden. Hie Kritik der reinen Vernunft wird von
ihm selbst nicht als ,System der reinen Vernunft*, sondern
nur als ,Propädeutik* zu diesem bezeichnet. Es ist ihre Aufgabe
die reinen apriorischen Elemente im Erkenntnissvermögen
,aufzuzählen und den Umfang der auf diese Weise möglichen
Erkenntniss zu bestimmen*. Ihr Ergebniss besteht darin, dass
sowol Sinn, als Verstand und Vernunft (das niedere wie das
obere Erkenntnissvermögen Wolfs) dergleichen aufzuweisen
haben, und zwar in den reinen Formen der Sinnlichkeit, den
Kategorien des Verstandes und den Ideen der (theoretischen)
Vernunft.
Daran knüpfen sich zwei Fragen, deren eine Kant selbst
aufwirft und beinahe ausschliesslich berücksichtigt, während er
die andere mit Stillschweigen übergeht, oder wie in der Eingangs
citirten Stelle, die erst der zweiten vVuflage der Kritik
angehört, nur beiläufig berührt, die aber dafür desto lauter von
Anderen erhoben worden ist. Jene betrifft die Tragweite der
apriorischen Elemente des Erkenntnisvermögens, den Anspruch,
der ihnen nicht durch, sondern trotz ihrer subjectiven Natur
zukommt, für Erkenntniss gelten zu dürfen. Die Beantwortung
dieser, welche Kant Transcendentalphilosophie nennt, ist
mit der Kritik der reinen Vernunft nicht identisch, obgleich
verwandt. Denn diese letztere sehliesst noch andere Bestand-