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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 67. Band, (Jahrgang 1871)

Ueber  Kaufs  mathematisches  Yorurtlieil  und  dessen  Folgen.

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geblichen  Entdeckung  versprach,  die  ihn  in  Stand  setzen  sollte,
die  Principien  a  priori  aller  genannten  drei,  also  aller  überhaupt ­
  dem  menschlichen  Wesen  innewohnenden  Seelenvermögen
,abzuzählen  und  den  Umfang  der  auf  diese  Art  möglichen  Erkenntniss
  sicher  zu  bestimmen*.  Es  war  nicht  mehr  und  nicht
weniger,  als  was  einst  Leibnitz  gefehlt  hatte,  um  die  Idee  seiner
scientia  generalis  in’s  Werk  zu  setzen,  nämlich  die  vollständige
Aufzählung  sämmtliclier  unbestrittener  Grund-  und  Stammerkenntnisse ­
  und  aller  aus  denselben  mit  gleicher  Verlässigkeit
ableitbaren  Folgerungen:  das  System  der  Wissenschaft  aus
reinen  Begriffen  ohne  empirische  Zuthat.
Zu  diesem  selbst,  dessen  Vollendung  Kant  noch  in  den
letzten  Lebensjahren  beschäftigte  und  dem  sein  letztes  bekanntlich ­
  Manuseript  gebliebenes  ,Hauptwerk*  gewidmet  war,
sollten  die  drei  Kritiken  durch  die  Aufweisung  apriorischer
Elemente  in  jedem  der-  drei  menschlichen  Seelenvermögen  die
Vorschule  bilden.  Hie  Kritik  der  reinen  Vernunft  wird  von
ihm  selbst  nicht  als  ,System  der  reinen  Vernunft*,  sondern
nur  als  ,Propädeutik*  zu  diesem  bezeichnet.  Es  ist  ihre  Aufgabe ­
  die  reinen  apriorischen  Elemente  im  Erkenntnissvermögen
,aufzuzählen  und  den  Umfang  der  auf  diese  Weise  möglichen
Erkenntniss  zu  bestimmen*.  Ihr  Ergebniss  besteht  darin,  dass
sowol  Sinn,  als  Verstand  und  Vernunft  (das  niedere  wie  das
obere  Erkenntnissvermögen  Wolfs)  dergleichen  aufzuweisen
haben,  und  zwar  in  den  reinen  Formen  der  Sinnlichkeit,  den
Kategorien  des  Verstandes  und  den  Ideen  der  (theoretischen)
Vernunft.
Daran  knüpfen  sich  zwei  Fragen,  deren  eine  Kant  selbst
aufwirft  und  beinahe  ausschliesslich  berücksichtigt,  während  er
die  andere  mit  Stillschweigen  übergeht,  oder  wie  in  der  Eingangs ­
  citirten  Stelle,  die  erst  der  zweiten  vVuflage  der  Kritik
angehört,  nur  beiläufig  berührt,  die  aber  dafür  desto  lauter  von
Anderen  erhoben  worden  ist.  Jene  betrifft  die  Tragweite  der
apriorischen  Elemente  des  Erkenntnisvermögens,  den  Anspruch,
der  ihnen  nicht  durch,  sondern  trotz  ihrer  subjectiven  Natur ­
  zukommt,  für  Erkenntniss  gelten  zu  dürfen.  Die  Beantwortung ­
  dieser,  welche  Kant  Transcendentalphilosophie  nennt,  ist
mit  der  Kritik  der  reinen  Vernunft  nicht  identisch,  obgleich
verwandt.  Denn  diese  letztere  sehliesst  noch  andere  Bestand-
            
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